Ob die klimabedingte Häufung von Dürren und Überschwemmungen zu Bürgerkriegen beiträgt, ist umstritten. Jetzt haben Experten darüber diskutiert.

Ob Bürgerkriege wie in Syrien auch mit dem Klimawandel in der Region zu tun haben, ist umstritten. Eine Gruppe von Klima- und…

Wenn Klimawandel zu mehr Dürren, Überschwemmungen und anderen Extremsituationen führt, dann erscheint es plausibel, dass Konflikte und bewaffneten Auseinandersetzungen in den betroffenen Ländern zunehmen. Die Studienlage dazu ist allerdings alles andere als eindeutig – schließlich gibt es viele Faktoren, die Bürgerkriege auslösen können. Um trotzdem zu einer Einschätzung zu gelangen, wie stark der Klimawandel heute und in Zukunft zu Konflikten beiträgt, haben Katharine Mach, Caroline Kraan und Christopher Field von der Stanford Universität in Kalifornien elf der „erfahrensten und meist zitierten“ Klimaexperten und Konfliktforscher systematisch befragt.

Ja, Klimawandel beeinflusst Konflikte, aber weniger als andere Faktoren

Die Experten – Politikwissenschaftler, Ökonomen, Geografen und Umweltwissenschaftler – wurden dem Fachblatt „Nature“ zufolge zunächst sechs bis acht Stunden in Einzelinterviews befragt und die Ergebnisse dann in der Gruppe zwei Tage lang diskutiert. Dabei beschränkten sich die Forscher bewusst auf „organisierte bewaffnete Konflikte innerhalb von Ländern“ und inwiefern der Klimawandel sie verursachen oder befördern könne. Andere Studien hatten so unterschiedliche Gewaltphänomene wie Selbstmorde und zwischenstaatliche Kriege kombiniert.


Jetzt kostenlos testen!

Am Ende des Prozesses stimmten alle Experten überein, dass Klimaveränderungen tatsächlich organisierte bewaffnete Konflikte beeinflussen oder „formen“. Allerdings sei der Einfluss im Vergleich zu anderen Faktoren „sehr viel“ geringer – bedeutsamer seien die sozioökonomische Entwicklung des Landes, die staatliche Leistungsfähigkeit, die Gleichberechtigung verschiedener Gesellschaftsgruppen und die Gewalthistorie des Landes. Darüberhinaus seien die Mechanismen, mit denen Klimawandel sich auf Konflikte auswirke, schwer einzuschätzen. So könne Nahrungsmittelmangel nach Dürren Konflikte befördern, aber auch die Versorgung bewaffneter Gruppen behindern.

Dennoch stimmen die Experten überein, dass der Konfliktfaktor Klimawandel an Bedeutung gewinnen wird. Während Konflikte heute den Einschätzungen der Experten zu etwa fünf Prozent klimawandelbedingt sind, könnten es bis zu 26 Prozent werden, wenn die globale Durchschnittstemperatur bis 2100 um vier Grad Celsius steigt im Vergleich zu vorindustrieller Zeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Check Also

40 Grad sind drin

Deutschland steht vor einem Hitzerekord: Experten warnen vor gesundheitlichen Auswirkungen…