Es klingt hämisch und ist auch so gemeint.

Mit einer ganzseitigen Anzeige auf Seite 5 in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ rechnet ein gewisser „Polestar“ mit der „lieben Autoindustrie“ ab. Listenpreis für die Premium-Platzierung in der FAZ: 79 930 Euro ohne Rabatt.

„Zwischen uns ist es nicht mehr, wie es war. Du bist irgendwann einfach stehengeblieben“, steht in dem ausgerechnet am Valentinstag erschienenen Schlussmacher-Brief.

Was soll das? Wer steckt dahinter? Warum diese Anzeige?

A nice full-page add of #Geely Polestar in the German @FAZ_Wirtschaft newspaper 😉 Let's see how fast German car industry can reply to Chinese #EV push. Commitments are made, now it is about delivery. #Lithium pic.twitter.com/XGSh5UxgYv

— Dirk Harbecke (@lithiumforum) February 14, 2019

„Polestar“ schreibt: „Einerseits Deine Versprechungen einer besseren Zukunft, andererseits Dein Festklammern an der Vergangenheit. Wir haben uns auseinandergelebt. Von hier an gehen wir getrennte Wege.“

Starker Tobak? Nein, eine neue, selbstbewusste Kampagne für eine (noch) fast unbekannte Automarke. Bezahlt mit chinesischem Geld. Polestar, deutsch Polarstern, ist die von Volvo in Göteborg gegründete Elektromarke des Konzerns.

In wenigen Tagen wird in einem weltweiten Online-Stream das zweite E-Auto der Schweden präsentiert: Der Polestar 2, ein kompakter elektrischer Crossover für die ganze Familie, mutmaßlich unter 50 000 Euro teuer (der Sport-Zweisitzer Polestar 1, von dem nur eine Kleinserie produziert wird, kostet weit mehr als 100 000 Euro).

Wer Polestar ist

Produziert wird in einer komplett neuen Fabrik in China. Denn Polestar gehört, wie Volvo, zum chinesischen Geely-Konzern (auch größter Einzelaktionär bei Daimler).

Geely-Chef Li Shufu (55) habe ich getroffen, ein smarter Manager, der Sneaker zum Anzug trägt und über beste Kontakte in die Regierung verfügt. Ein Auto-Verrückter, der schon als Kind aus Lehm Autos nachbaute, sagen die einen. Eine Marionette Pekings, sagen die anderen.

▶︎ CEO von Polestar ist Volvo-Designchef Thomas Ingenlath (54). Mit ihm, Volvo-Boss Hakan Samuelsson und dem Geld aus China gelang Volvo ab 2012 der Weg aus der Krise. Die Marke hat sich, was Design und Verkaufszahlen angeht, neu erfunden. Ingenlath schuf zuvor für VW den Phaeton, für Skoda den Roomster und den Yeti.

Was Polestar erreichen will

Mit der spöttischen Kampagne will Polestar vor allem eines: Abgrenzung und Aufmerksamkeit!

Ingenlath sagte zu BILD: „Polestar geht seinen Weg. Voll elektrisch, mit innovativer, direkter Kommunikation, mit neuen Ideen zum Auto-Besitz. Eine neue Marke für eine neue Ära.“

Die Autos sollen übers Internet und Flagship-Stores verkauft werden. Volvo-Werkstätten sollen den Service übernehmen, die Autos da abgeholt und gebracht werden, wo der Kunde es wünscht. Flatrates, wie wir sie von Netflix kennen, sollen das Leasing ersetzen. Und over-the-air bekommen die Polarsterne ihre Updates, voll vernetzt.

Die Weltpremiere am 27. Februar findet konsequenterweise online statt, CO₂-neutral. Es werden keine Journalisten aus der ganzen Welt eingeflogen, wie sonst üblich.

*Chefredakteur AUTO der BILD-Gruppe

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