Die Vorstände deutscher Dax-Unternehmen verdienen immer noch dicke – aber nicht mehr so viel wie noch vor einem Jahr! 2018 gingen die Chefgehälter um zwei Prozent auf 3,6 Millionen Euro im Schnitt zurück, während die Bruttolöhne in Deutschland im selben Zeitraum um 3,1 Prozent stiegen.

Das geht aus einer großen Vergütungsstudie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der TU München hervor. Die Experten haben sich dafür die Chefgehälter aller im Dax und MDax notierten Unternehmen angeschaut.

Der Gehaltsrückgang bei den Dax-Chefs gehe mit einer „äußerst schlechten Performance des Dax“ im Jahr 2018 einher, so Professor Gunther Friedl von der TU München. Demnach verlor der Aktienindex im Jahresvergleich 18,3 Prozent an Wert. Der leichte Rückgang der Chefgehälter im letzten Jahr passe zur wirtschaftlichen Lage.

ABER: Auch wenn der Trend wachsender Vorstandsgehälter erst einmal gebrochen ist – die Studie zeigt auch: Die Bosse bekommen immer noch das 52-Fache ihrer Mitarbeiter!

VW ist Spitzenreiter

An der Spitze der Vergütungsskala steht mit großem Abstand Volkswagen. Vorstände strichen dort im Schnitt mehr als sechs Millionen Euro ein. Beim Pharmariesen Merck kam ein Vorstandsmitglied auf 5,2 Millionen Euro.

Überraschend für die Experten: Auf Platz drei landet die Deutsche Bank (5,1 Millionen Euro), und das obwohl sich das Bankhaus „augenscheinlich nicht auf einem Erfolgskurs befindet“. Friedl: „Die Vergütung stieg um 55,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Interessanterweise entspricht das beinahe exakt dem prozentualen Wert, den die Aktionäre der Deutschen Bank 2018 verloren.“

Auffällig nach oben ging es auch für Chefs bei der Deutschen Telekom. Deren Vorstände freuten sich über 37,5 Prozent mehr Geld (im Schnitt 3,7 Millionen Euro). Mit mehr als 20 Prozent weniger müssen dagegen Bosse bei BMW (3,1 Millionen Euro), der Software-Firma SAP (4,4 Millionen Euro) und dem Finanzkonzern Wirecard (2,2 Millionen Euro) leben.

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Frauen bekommen wesentlich weniger

Was die Studie auch zeigt: Der Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern ist weiterhin groß. Frauen verdienen mit durchschnittlich 3,1 Millionen Euro wesentlich weniger als ihre männlichen Kollegen, die auf 3,6 Millionen Euro kommen.

▶︎ Friedl: „Dieser Unterschied ist aber kein Indiz für den sogenannten Gender-Pay-Gap, sondern lässt sich durch die unterschiedlichen Funktionen und Unternehmen erklären.“

Unter den Vorstandsvorsitzenden der Dax- und MDax-Unternehmen gibt es nämlich immer noch keine einzige Frau. Gerade die Vorstandsvorsitzenden bekommen aber nach wie vor das meiste Geld: Im Durchschnitt waren es für Dax-Vorstandschefs 2018 satte 5,4 Millionen Euro, für ihre Kollegen im MDax 3,1 Millionen Euro.

Die Gehälter der Vorstands-Chefs

Guckt man nur an, was der Vorstandschef verdient, liegt Softwareriese SAP vorn: Vorstands-Boss Bill McDermott (SAP) führt das Ranking der Dax-Vorstandsvorsitzenden mit einer Gesamtvergütung von 10,8 Millionen Euro an. SAP ist derzeit das wertvollste Unternehmen im Index.

Herbert Diess (Volkswagen) folgt mit 7,9 Millionen Euro auf Platz zwei. Er hat das Amt erst im April 2018 von seinem Vorgänger Matthias Müller übernommen.

Auf den dritten Rang schafft es Bernd Scheifele (HeidelbergCement), der auf 7,3 Millionen Euro für das Jahr 2018 kommt. Sein Unternehmen ist weltweit führend bei Zuschlagstoffen für den Bau und bei der Herstellung von Zement.

Am wenigsten verdienen dagegen die Dax-Vorstandsbosse Markus Braun von Wirecard (3,5 Millionen), Reinhard Ploss von Infineon (2,8 Millionen) und Guido Kerhoff von ThyssenKrupp (2,3 Millionen), der seit Juli 2018 auf dem Posten sitzt.

Pensionen in Millionenhöhe

Was die Pensionen angeht, müssen die Top-Dax-Manager ebenfalls keine Sorgen haben. Im Schnitt machten die Konzerne 2018 Pensionszusagen in Höhe von 661 000 Euro und zahlten 837 000 Euro in die Pensionskassen.

Das dickste Polster fürs Alter erhält der ehemalige Daimler-Vorstand Dieter Zetsche: Ihm wurden jährlich 2,9 Millionen Euro zugesagt. Im Mai 2019 dankte er bei Daimler ab, seit 2006 hatte er den Stuttgarter Autobauer gelenkt. Deutsche-Post-Chef Frank Appel landet zwar mit nur einer Million Euro auf Platz vier, kann dafür aber schon mit 55 in den Ruhestand gehen.

Internationaler Vergleich und Kritik

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Trotz der Vergütung in Millionenhöhe – die deutschen Manager bekommen im internationalen Vergleich längst nicht die meiste Kohle. Die durchschnittlichen Gehälter der Schweizer CEOs liegen mit knapp sechs Millionen Euro deutlich darüber. Und die Vorstandsbosse der im US-Index DJIA notierten Unternehmen kommen im Schnitt auf knapp 19,9 Millionen Euro.

Kritik kommt von der DSW vor allem an den Abfindungszahlungen für Vorstände, die vorzeitig aus ihrem Vertrag aussteigen. DSW-Geschäftsführer Marc Tüngler verwies auf die jüngsten Fälle ThyssenKrupp und Vonovia.

Tüngler: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum ein Vorstand, der selber entscheidet, seinen Vertrag nicht bis zum Ende der Laufzeit zu erfüllen, dafür auch noch finanziell belohnt wird.“ Es wäre deutlich logischer, wenn das Unternehmen von dem freiwillig scheidenden Manager für die mit der Suche nach einem Nachfolger verbundenen Kosten entschädigt würde.

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