„Eine Vertragsverlängerung ist kein Selbstläufer“

Klatsche für den Auto-Boss!

Bei der BMW-Hauptversammlung hat es am Donnerstag heftige Kritik an der Führung des Münchner Autobauers gehagelt. Vor allem für Vorstands-Chef Harald Krüger (53) wurde es ungemütlich. Weil der Konzern zuletzt in die roten Zahlen rutschte, steht der Auto-Boss in der Kritik.

Ein Branchenkenner zu BILD: „Hinter der Personalie Krüger steht ein dickes Fragezeichen. Eine Vertragsverlängerung ist kein Selbstläufer.“

Daniela Bergdolt von der Aktionärsvereinigung DSW kritisierte den Vorstand bei der Versammlung in der Olympiahalle: „Sie haben sich zu lange auf einer Position der Stärke ausgeruht.“ Die Vorreiterrolle in der Elektro-Sparte sei verspielt worden. Ihre Ansage: „Ich erwarte eine Modelloffensive, die Tesla vom Tisch bläst.“

Miese Zahlen

Auch die miesen Zahlen waren Thema. Eine sinkende Umsatzrendite, eine nach acht Jahren erstmals gekürzte Dividende – „von BMW kommen derzeit nur Hiobsbotschaften“, sagte Analyst Janne Werning von Union Investment.

Der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag im ersten Quartal 2019 bei 310 Millionen Euro! Nur mit den Gewinnen aus dem Leasing- und Kreditgeschäft und der Motorradsparte schaffte der Autohersteller noch einen Überschuss von 588 Millionen Euro – 74 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Es droht außerdem eine Kartellstrafe in Milliardenhöhe. Die EU-Kommission wirft BMW, VW und Daimler außerdem illegale Absprachen bei Technik zur Abgasreinigung vor. BMW hat deshalb 1,4 Milliarden Euro zurückgelegt.

Die Aktionäre nervt vor allem, wie der Konzern mit dem Problem umgeht: „BMW wirkt zaghaft, kraft- und mutlos, während VW und Daimler die Flucht nach vorn antreten und positive Signale an den Kapitalmarkt senden“, sagte Analyst Werning bei der Versammlung. Hendrik Schmidt von der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS: „Sie haben die Handbremse angezogen und den Rückwärtsgang eingelegt.“

Krüger dagegen verteidigte sich: Die drohende EU-Milliardenstrafe sei ungerecht, und operativ bleibe man für das Gesamtjahr auf Kurs.

Krüger will sparen

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Der BMW-Boss will wegen der schlechten Bilanz den Rotstift ansetzen. „Es gibt keine Tabus. Wir drehen jeden Stein um“, sagte Krüger kürzlich.

▶︎ Um bis 2021 insgesamt zwölf Milliarden Euro einzusparen, lässt er Einkauf, Material- und Fertigungskosten unter die Lupe nehmen. Die Entwicklung neuer Modelle soll mithilfe der Digitalisierung um ein Drittel kürzer werden.

Außerdem sollen von 2021 an fast die Hälfte der heutigen Antriebsvarianten entfallen und wenig gefragte Modelle wie der 3er Gran Tourismo gestrichen werden.
Ein Stellenabbau sei aber nicht geplant.

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Aktienkurs schmiert ab

Seit Mai 2015 steht Krüger an der Spitze des Vorstands. Seitdem sackte die BMW-Aktie um 35 Prozent auf 69,25 Euro ab. Sein Vertrag läuft zwar erst in einem Jahr aus, aber die Zahlen sprechen gegen ihn – und eine vorzeitige Vertragsverlängerung.

▶︎ Ein Insider zu BILD: „Im Unternehmen ist viel Unruhe da. Die Frage ist, wie lange diese Ungeduld noch hält.“

Manager Krüger ist ein BMW-Eigengewächs. Nach dem Maschinenbau-Studium stieg er 1992 als Trainee beim Münchner Konzern ein (Bereiche Technische Planung und Produktion). Danach hatte er Einsätze für BMW in den USA und Großbritannien. Am Stammsitz in München leitete er mehrere Abteilungen, bis er 2008 in den Vorstand des Konzerns kam.

Wo die Probleme bei BMW liegen

Experten sehen gleich mehrere große Probleme, mit denen Krüger und sein Vorstandsteam umgehen müssen. Zum Teil seien sie selbst gemacht, zum Teil hingen sie aber auch an geopolitischen Entscheidungen.

Jürgen Pieper, Auto-Analyst beim Bankhaus Metzler, zu BILD: „Der Hauptvorwurf lautet: Der Vorsprung, den sich der Konzern vor Jahren auf dem E-Markt erarbeitet hat, wurde fahrlässig verspielt.“ Ein möglicher Erfahrungsvorteil durch die Pionier-Arbeit im Elektro-Bereich sei wegen der anfänglich hohen Verluste verspielt worden.

Gleichzeitig steige nun der Druck im „uninspirierten Kerngeschäft“: „Seit Jahren fehlt das Signal, wie der BMW der Zukunft aussehen soll.“ Besonders bitter sei auch, dass trotz Dieselskandal & Co. die VW-Aktie eine höhere Rendite abwerfe als die von BMW. „BMW erlebt eine Krise auf hohem Niveau“, sagte Pieper. „Die Konzernspitze steht vor schwierigen Aufgaben, Lösungswege wurden bis auf allgemeine Kostensenkungen bisher nicht aufgezeigt.“

Professor Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach zu BILD: „Der Handelskrieg zwischen den USA und China haut ziemlich rein. BMW baut in seinem Werk in den USA große SUVs, viele davon gehen nach China.“ Weil sich der Markt dort abkühle, bringe das zusätzliche Probleme beim Export. Und wegen des Brexits laufe es auch in Großbritannien holprig.

Die Kooperationsansätze, etwa mit Daimler beim Carsharing und autonomen Fahren, seien zwar gut. Trotzdem sieht Bratzel in Krügers Amtszeit Versäumnisse: „Die E-Mobilität links liegenzulassen, war ein Fehler, den er gemacht hat. Die Enttäuschung des E-Modells i3 fiel in seine Zeit.“ Die Handschrift des Managers sei bisher nicht klar erkennbar. „Jetzt muss es aber langsam eine klare Strategie hin zu reiner E-Mobilität geben.“

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