Selbst wenn Klima-Ziele eingehalten würden, wird Asien laut einer Studie in den nächsten 80 Jahren mindestens ein Drittel seiner Gletscher verlieren

Gletscher in Bhutan, Himalaya.

Mindestens ein Drittel der Gletscher im Gebiet von Himalaya und Hindukusch wird einer Studie zufolge bis Ende dieses Jahrhunderts schmelzen – selbst wenn die ambitioniertesten Ziele der Pariser und Kattowitzer Klimakonferenzen erreicht werden. Sollten globale Bemühungen zum Klimaschutz scheitern, wären es sogar zwei Drittel, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Bericht des Internationalen Zentrums für Integrierte Gebirgsentwicklung (ICIMOD) in Nepal. Die Gletscher seien eine unverzichtbare Wasserquelle für rund 1,9 Milliarden Bewohner der Region – in den Bergen wie auch entlang der Flüsse.

Mehr Extremwetter

Das Pariser Klimaabkommen sieht unter anderem vor, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf «deutlich unter zwei Grad», möglichst sogar auf 1,5 Grad, zu begrenzen. Sollte letzterer Wert im globalen Durchschnitt bis Ende des Jahrhunderts erreicht werden, würden die Temperaturen dem Bericht zufolge in der 3500 Kilometer langen Gebirgsregion um 2,1 Grad steigen. Das werde die Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und Energie aus dem Lot bringen. Zudem werde es zu schlimmerer Luftverschmutzung sowie einer Zunahme extremer Wetterereignisse führen.

«Die globale Erderwärmung ist dabei, die eisigen, mit Gletschern bedeckten Gipfel des HKH (Hindukusch-Himalaya), die sich über acht Länder erstrecken, innerhalb von etwas weniger als einem Jahrhundert in kahle Felsen zu verwandeln», wird der leitende Herausgeber des Berichts, Philippus Wester, in einer Mitteilung zitiert.

Dramatische Warnung 2007

An der Studie arbeiteten den Angaben zufolge fünf Jahre lang etwa 350 Forscher und Experten aus 22 Ländern und von 185 Organisationen. Dem ICIMOD gehören die Regierungen der acht Länder im Gebiet der Himalaya- und Hindukusch-Gebirge an: Afghanistan, Bangladesch, Bhutan, China, Indien, Myanmar, Nepal und Pakistan. Das Zentrum hat seinen Sitz in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Die Ergebnisse klingen, wenn auch nicht ganz so dramatisch, ähnlich wie die, die internationale Klimaforscher 2007 in einem offiziellen Bericht niederlegten. Dort hieß es, die Gletscher des Himalaya könnten bis 2035 komplett verschwinden. Allerdings mussten diese Prognosen damals zurückgezogen werden, da sie nachweislich nicht auf den seinerzeit vorliegenden tatsächlichen Forschungsdaten beruhten. Ähnliche Ergebnisse wie die jetzigen kamen in den vergangenen Jahren allerdings bereits von anderen Forschergruppen. (dpa/rif)


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Hinweis der Redaktion: Ein Leser kommentiert, dass nicht die Erwärmung der Atmosphäre die Gletscher zum Schmelzen bringe, sondern allein Ruß, der sich auf dem Eis abgelagert hat und noch ablagert. Die wissenschaftlichen Daten hierzu sind nicht eindeutig. Dass erhöhte Temperaturen der Atmosphäre keinen Einfluss auf die Gletscherschmelze haben, ist physikalisch nicht plausibel. Tatsächlich tragen Ruß und Staub zur Veränderung der Albedo des Eises – und damit zu höheren Temperaturen bei Sonneneinstrahlung und damit zur Schmelze – bei. Welchen quantitativen Anteil dies als Mitursache der Gesamtschmelze hat, ist unklar. Als sicher gilt, dass dieser je nach Region unterschiedlich ausfällt, insgesamt aber nicht zu vernachlässigen ist.

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