Vor 190 Jahren gründeten Diplomaten, Gelehrte und Künstler das Deutsche Archäologische Institut (DAI). Heute steht es vor neuen Herausforderungen.

Fundstück. Im Jahr 2007 entdeckte ein Team vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) den 3800 Jahre alten Sarg der Geheset, der…

Im Titel national, doch von der Gründung an sofort europäisch – und das vor 190 Jahren: Am 21. April 1829  wurde in Rom das Instituto di Correspondenza Archeologica  gegründet, aus dem später das Deutsche Archäologische Institut (DAI) hervorging. Gründungsväter waren  europäische Diplomaten, Gelehrte und Künstler, der erste Direktor war ein französischer Diplomat. Angesiedelt wurde das Institut zur Erforschung der antiken Welt auf dem Hügel des Capitol. 190 Jahre später feiert das DAI selbstbewusst mit einem ganztägigen Colloquium, einer Forschungsmesse und einem Festvortrag der Präsidentin Friederike Fless. „Das DAI ist aktiver Zukunfts- und Politikgestalter“, hatte Antje Leendertse, Staatssekretärin im Auswärtigen Amt, dem das DAI seit 1874 unterstellt ist, festgestellt. Sie appellierte an die Abgeordneten, die beachtliche Arbeit von 350 Mitarbeitern bei einem Jahresetat von 40 Millionen Euro weiter tatkräftig zu unterstützen.

Heinrich Schliemann gründete die Abteilung Athen

Das DAI hat viel erlebt in den 190 Jahren, viele Male musste es umziehen, Institute wurden geschlossen, nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt, aber auch wieder restituiert. Fless skizzierte die Geschichte des DAI anhand seiner Liegenschaften, ein faszinierender Spiegel deutscher Geschichte. Von 1874 an begann der Ausbau des Instituts, die Abteilung Athen wurde durch Heinrich Schliemann gegründet und zum 100. Geburtstag kamen die Abteilungen in Kairo und Istanbul hinzu. Außenminister Stresemann lobte das Engagement des DAI, die Gästeliste der Jubiläumsfeier stand ganz im Geiste der Völkerverständigung. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Abteilungen in Teheran und Baghdad hinzu – das DAI begann, sich weltweit zu engagieren. Heute reichen die Aktivitäten bis auf die Salomonen im Pazifik. Mit der Eurasienabteilung wurden 1994 Teile der Akademie der Wissenschaften der DDR integriert und zum 150. Geburtstag schenkte man sich die Kommission für Archäologie  Außereuropäischer Kulturen (KAAK) in Bonn.

Das DAI widmet sich auch dem Klimawandel

Zur DNA des DAI gehörte von Anfang an die Internationalität. Wichtig sind ihm die Anbindung an das Auswärtige Amt, die systematische Erschließung und Publikation von Wissen, das Recht auf wissenschaftliche Selbstverwaltung und aktuell der Aufbau einer digitalen Infrastruktur. Entscheidend sei die Vernetzung der wissenschaftlichen Community, die man seit 1859 mit Reisestipendien für Wissenschaftler fördere, auch wenn diese dringend angehoben werden müssten, sagte Fless.

Zum Geburtstag wurde die Zentraldirektion neu organisiert, Beratung und Entscheidung werden künftig getrennt und jede Abteilung bekommt einen wissenschaftlichen Beirat zur kritischen Begleitung der Projektplanung. Afrika, China und die Papyrologie werden künftig gestärkt, die Stellenkürzungen seien aufgefangen, sagte Fless. Für die Zukunft sei das DAI gut aufgestellt, das Portal idai.world wurde neu organisiert, der „Archäologische Anzeiger“ werde ab November auch digital erscheinen – damit müsse auch die Datenqualität der Publikationen erhöht werden. Das DAI beteiligt sich an dem Projekt Mathe+, widmet sich künftig dem Klimawandel und der Erforschung seltener Krankheiten und sei somit auf einem guten Weg, die 200-Jahrfeier mit neuen Formaten erfolgreich zu begehen.

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