Menschen gehen vor einem SPD-Zeichen entlang: Thomas Oppermann nennt Namen in der Nahles-Nachfolge-Debatte. (Quelle: Jan Woitas/ZB/dpa)

Thomas Oppermann stand für die SPD als Fraktionschef lange in der ersten Reihe. Nun erklärt er, wen er sich künftig an der Parteispitze vorstellen kann. Kevin Kühnert ist es (noch) nicht.

Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) hat in der Debatte um die Nachfolge von Andrea Nahles als SPD-Parteichefin erste Namen genannt. Dem „Tagesspiegel am Sonntag“ sagte Oppermann, dass er Familienministerin Franziska Giffey, Arbeitsminister Hubertus Heil und den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil für geeignete Kandidaten halte.

Der 29 Jahre alte Juso-Chef Kevin Kühnert ist aus Sicht Oppermanns hingegen noch nicht bereit für das Amt. Er wünsche sich Kühnert aber „in zehn Jahren“ als Parteichef, sagte Oppermann, der zuvor viele Jahre SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag war.  

„Große Fähigkeit“

Zu seinen favorisierten Kandidaten sagte Oppermann: „Mit einem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten aus Niedersachsen ist Deutschland schon einmal gut gefahren. Das wäre mit Sicherheit auch bei Stephan Weil so.“ Damit spielt Oppermann wohl auf den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder an. Auch der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel einst Ministerpräsident in Niedersachsen.

Thomas Oppermann: Der Bundestagsvizepräsident hat drei Kandidaten für die Nahles-Nachfolge genannt. (Quelle: Britta Pedersen/ZB/dpa)

Familienministerin Giffey sei „eine der stärksten Ministerinnen in diesem Kabinett“, sagte Oppermann. Sie habe „die große Fähigkeit, so zu sprechen, dass alle Menschen sie gut verstehen“.

Wenig Hoffnung für große Koalition

Die Koalition von Union und SPD hat aus Sicht von Oppermann nur dann noch eine Chance, wenn sie rasch Ergebnisse liefert. „Wenn die Leistungen nicht besser werden, wird sie den Winter nicht erleben“, sagte er in dem Interview. Es sei „völlig offen“, ob Deutschland an Weihnachten noch von der großen Koalition regiert werde. Sie müsse schnell ein weitreichendes Klimaschutzgesetz, eine echte Grundrente und eine gerechte Reform des Solidaritätszuschlags vorlegen. Vor allem in der SPD gibt es den Wunsch, aus der Koalition auszusteigen.

In der SPD wird derweil weiter über die Nahles-Nachfolge debattiert. Im einflussreichen SPD-Landesverbands von Nordrhein-Westfalen gibt es laut Landeschef Sebastian Hartmann Vorbehalte gegen eine mögliche Doppelspitze der Bundespartei. „Die Doppelspitze ist gar nicht so positiv angekommen“, sagte Hartmann nach einer Regionalkonferenz am Samstag. Es habe zwar Doppelspitzen-Befürworter gegeben, doch Erfahrungen anderer Parteien seien mahnende Beispiele. Mit Blick auf die aktuelle Führung der Grünen sagte Hartmann: „Dort ist es die Ausnahme, dass es funktioniert.“
 

 
Zuvor hatte auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer auf die Schwierigkeiten einer Doppelspitze hingewiesen. „Die Doppelspitze ist nicht die Lösung eines jeglichen Problems“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“ . Zudem müsse ein Spitzenduo „echt gut zusammenpassen“.

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