Mit einem Mix aus Forschen, Studieren und Wohnen plant Hamburg eine neue Science City. Vorbild ist nicht etwa Berlin-Adlershof – sondern Berkeley oder Oxford.

Hamburger Stadtteil für die Wissenschaft. Die Simulation zeigt die Zukunft der Science City.

„Erstmals in der Geschichte der Stadt wird Wissenschaft im Mittelpunkt der Stadtentwicklung stehen“, sagt Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Ihr Konzept für die neue Science City Bahrenfeld stellte Fegebank am Mittwoch in Hamburgs Berliner Landesvertretung vor.

Muss man sich das, was zwischen Volksparkstadion und dem Stadtteil Altona entsteht, ähnlich vorstellen wie die seit langem wachsenden Standorte Berlin-Adlershof oder das Münchner Garching? Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, ordnet den neuen Campus, auf dem die Uni, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Start Ups und Unternehmen kooperieren sollen, global ein: „Die Science City Hamburg wird vergleichbar mit Berkeley, Cambridge und Oxford.“

Verspätete Wissenschaftsstadt

Die Hafen- und Kaufmannsmetropole ist eine chronisch verspätete Wissenschaftsstadt: Die Universität wurde – nach jahrhundertelangem Widerstand der Kaufleute – erst 1919 gegründet, eine Akademie der Wissenschaften entstand 2004. Mit den Plänen für eine Science City habe Hamburg jetzt aber „die einmalige Chance, die Wissenschaftsstadt des 21. Jahrhunderts zu bauen“, sagt Helmut Dosch, Chef des Deutsche Elektronen-Synchrotrons (Desy).

Desy zieht in Bahrenfeld seit 60 Jahren seine Kreise mit unterirdischen Teilchenbeschleunigern. Schon im 19. Jahrhundert war dort in Nachbarschaft zum Altonaer Volkspark die erste große Stadterweiterung geplant worden, wie Susanne Metz, Leiterin des Amts für Landesplanung, erklärt. Daraus wurde nichts, später kamen erste Wissenschaftsbauten – darunter auch die Uni-Physik. Verbleibende Freiflächen und die ehemalige Bahrenfelder Trabrennbahn wollte die Stadt dann mit dringend nötigen Wohnungen bebauen.

Aber auch die außeruniversitären Institute, die Hamburg in den vergangenen Jahren ansiedeln konnte, Ausgründungen aus Hochschulen sowie die an ihren City-Standorten beengte Universität meldeten Platzbedarf an. Auch weil der Uni mit ihrer aussichtsreichen Bewerbung um die Exzellenzkrone im milliardenschweren Wettbewerb von Bund und Ländern eine „Wissenschaftsstadt“ gut zu Gesicht steht, wurde aus Bahrenfeld jetzt ein Großprojekt mit Mischnutzung (Einblicke gibt es hier auf der Projekthomepage).

2500 Wohnungen für Forschende und Studierende

Bis 2040 soll die Science City auf einer Fläche von 125 Hektar entstehen. Die Wissenschaftsbehörde hat angekündigt, dass 2020 die ersten Architekturwettbewerbe starten. Unter anderem soll Desy ausgebaut werden sowie die komplette Physik und Chemie und Teile der Biologe umziehen. Der erste Spatenstich für ein „Innovationszentrum“ ist kürzlich erfolgt.

Bauen will man auch rund 2500 Wohnungen, Stadtplanerin Metz zufolge ein Mix aus Eigentum, geförderten Einheiten und normalen Mietwohnungen für Forschende und Studierende. Sie sollen den besonderen Campus-Charakter der Wissenschaftsstadt ausmachen. Über die Kosten für das Projekt wird bislang geschwiegen.

Fegebanks Sprecherin Julia Offen erklärt auf Nachfrage, man rechne bislang mit einem „Milliardenprojekt“. Zwei Forschungsbauten, die gerade in Bahrenfeld entstehen, würden 62 beziehungsweise 38 Millionen Euro kosten, ähnliche Kosten würden auch für weitere Bauten anfallen. Hinzu kämen Infrastrukturkosten, für den Wohnungsbau und eine Schnellbahn-Anbindung. Desy-Chef Dosch merkte an, dass für den Ausbau der Wissenschaftseinrichtungen „auch der Bund ins Boot geholt werden muss“.

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