Funde in Argentinien zeigen: Steinzeit-Jäger erlegten auch Riesenfaultiere, also Kreaturen groß wie Elefanten.

Jagd auf Riesenfaultiere können Forscher heute nur noch grabend in der Pampa Argentiniens machen, anders als die Steinzeitjäger…

Die Steinzeit-Jäger hatten das Riesenfaultier in eine Falle gelockt. Hilflos steckte das Tier von der Größe eines heutigen Elefanten im Sumpf fest. Aus sicherer Entfernung vor den messerscharfen, riesigen Krallen an den Fingern des Kolosses stießen die Menschen mit ihren Lanzen zu. Dann zerlegten sie das Tier und schärften zwischendurch ihre stumpf gewordenen Steinklingen. Das schließt ein Forscherteam um Gustavo Politis von der Universidad Nacional de La Plata in Olavarria, Argentinien, aus den Spuren, die von der prähistorischen Jagdszene am „Campo Laborde“ etwa 300 Kilometer südwestlich von Buenos Aires gefunden wurden.

Kratzspuren an den Rippen der Faultiere

Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal mit einer schlüssigen Indizienkette, dass die Menschen im Amerika der Steinzeit Riesenfaultiere gejagt haben. Und liefern so, im Fachblatt „Science Advances“, eine weitere Bestätigung des Verdachts, dass Menschen nicht nur am Verschwinden des Mammuts, sondern auch vieler anderer großer Tierarten weltweit beteiligt waren. Allerdings könnte auch der damalige Klimawandel, das Ende der Eiszeit, den Giganten zugesetzt haben. „Menschliche Jäger und steigende Temperaturen könnten diese großen Tiere gemeinsam in die Zange genommen haben“, meint Michael Hofreiter. Der Evolutionsbiologe an der Universität Potsdam hat bereits das Erbgut einer ganzen Reihe ausgestorbener Großsäugetiere analysiert, auch das zu Lebzeiten bis zu sechs Meter lange, zwei Meter hohe und vier bis sechs Tonnen schwere Riesenfaultier Megatherium americanum. Schon der Begründer der Evolutionstheorie Charles Darwin hatte sich für diese Spezies interessiert.

Die Überreste dieser Faultierart gruben Forscher zwischen 2001 und 2003 sowie 2016 bis 2017 am Fundort Campo Laborde aus. Zwar fanden auch Gustavo Politis und seine Kollegen keinen direkten Beweis für die Jagd auf diese Giganten, aber überzeugende Indizien. Dazu gehört zum Beispiel die zerbrochene Steinklinge, die offensichtlich einst an der Spitze einer Lanze oder eines Speers befestigt war. Als die Forscher die Rippen des Riesenfaultiers untersuchten, entdeckten sie darauf Spuren von Steinklingen, die entstehen, wenn Menschen damit das Fleisch von den Rippen ihrer Beute schaben. Ganz in der Nähe lag ein Steinmesser mit einer scharfen Kante. Diese Klinge eignete sich hervorragend zum Entbeinen der Beute. Obendrein verwendeten die Steinzeitmenschen zwei Fragmente der Rippen des Tieres offensichtlich als Werkzeug. „Damit können wir die Frage, ob die ersten Siedler in Amerika die Giganten dieser Zeit gejagt haben, wohl mit einem „ja“ zu den Akten legen“, sagt Michael Hofreiter. „Eine ganz andere Frage ist es natürlich, ob diese Jagd das Aussterben der großen Tiere beeinflusst hat.“ Das könne ein solcher Einzelfund nicht beantworten.

Zu langsame Vermehrung, um den schnellen Jägern zu trotzen

Einen Hinweis könnte allerdings das Alter geben. Um das herauszufinden, können Forscher zum Beispiel die in den Knochen reichlich vorhandenen Kollagen-Struktur-Proteine mit der Kohlenstoff-14-Methode untersuchen und so ein relativ zuverlässiges Alter ermitteln.  Allerdings bindet sich im Laufe der Zeit Huminsäure, die gerade in Sümpfen reichlich vorhanden ist, fest an dieses Kollagen. Das kann unter Umständen einige Jahrtausende nach dem Tod des Tieres passieren. Dann messen die Forscher eine Kombination des relativ jungen Alters der Huminsäure und des höheren Alters der Knochen und können so das Alter des Fundes erheblich unterschätzen. Genau das könnte bei einigen der Faultier-Funde passiert sein, bei denen andere Forscher ein relativ junges Alter von zum Beispiel 9000 Jahren erhielten – also lange nach Ankunft des Menschen auf dem amerikanischen Kontinent.

Um solche Verfälschungen zu vermeiden, kochten Gustavo Politis und seine Kollegen die Riesenfaultierknochen 24 Stunden lang in 110 Grad heißer, konzentrierter Salzsäure und entfernten so die Huminsäuren weitgehend. Aus einem so behandelten Mittelhandknochen konnten sie Kollagen-Eiweiße isolieren, deren Alter sie dann mit der Kohlenstoff-14-Methode auf ein Alter von 12.600 Jahren bestimmen konnten. Die ersten Menschen dürften die Gegend etwa 2000 Jahre früher erreicht haben – genug Zeit, um die Faultierpopulation selbst mit einer eher niedrigen Jagdquote entscheidend zu verringern. Denn nach allem was man über diese Tiere weiß, vermehrten sie sich wohl nur sehr langsam.

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