Facebook finanziert ein Institut zur Künstlichen Intelligenz an der TU München. Jetzt werden nähere Details bekannt – und es gibt neue Kritik.

Sponsor. Der Konzern will der TU München 6,5 Millionen Euro geben.

Als Facebook und die Technische Universität München zu Beginn des Jahres eine Kooperation ankündigten, überwogen die kritischen Reaktionen. Warum sollte ausgerechnet das Datenskandal-geplagte US-Unternehmen einen Beitrag zur unabhängigen Forschung im Bereich künstliche Intelligenz (KI) leisten wollen? Zumal es an dem geplanten „Institute for Ethics in Artificial Intelligence“ vordergründig um die ethischen Aspekte im Zusammenhang mit KI gehen soll.

Insgesamt 6,5 Millionen Euro investiert Facebook in einem Zeitraum von fünf Jahren in das Institut, das von dem Wirtschaftsethiker Christoph Lütge geleitet werden soll. Kritik gab es auch deshalb, weil die TU München zum Zeitpunkt der Ankündigung nur wenige Details zu dem geplanten Vorhaben nennen konnte.

Nach Informationen des Tagesspiegel Background Digitalisierung werden die Pläne nun konkreter. Inzwischen habe man beschlossen, das Institut in die Strukturen des bestehenden „Munich Center for Technology in Society“ (MCTS) zu integrieren, erklärte ein Sprecher. Das Konzept für das KI-Ethik-Institut: Natur- und Sozialwissenschaftler sollen im Tandem an Projekten arbeiten und dabei konkrete Fragestellungen aus sowohl technischer als auch ethischer Perspektive betrachten. Diese bereits an der TU vorhandene Kompetenz solle demnach kombiniert und in den neu geschaffenen Strukturen gefördert werden.

Neue Professuren sind nicht vorgesehen

Neue Professuren sind nicht vorgesehen – dass von Facebook mitfinanzierte Professuren geplant sein könnten, sei eine gezielt gestreute Falschinformation gewesen, stellte der Sprecher klar. Wer dafür verantwortlich gewesen sein soll, sagte er nicht. Im März findet universitätsintern ein erster Workshop statt, bei dem die Themen für Forschungsprojekte erörtert werden sollen und auch schon über das beteiligte Personal gesprochen werden könnte.


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Erste Stellenausschreibungen für Wissenschaftler unterhalb von Professuren und andere Mitarbeiter des Instituts könnten im April oder Mai erwartet werden. In der zweiten Jahreshälfte sei dann ein erstes öffentliches Symposium geplant.

Gegen Vorwürfe, die Forschung des Instituts könne angesichts des Geldgebers nicht unabhängig sein, wehrt sich die Uni: „Die einzige Auflage war, dass wir das Geld in Forschung zur Ethik der künstlichen Intelligenz investieren“, sagt der Sprecher. „Welche Fragen wir behandeln, wie wir das organisieren und welche Personen beteiligt sind, dazu gab es keinerlei Vorgaben.“ In einer Hinsicht widerspricht sich die TU aber: Das Unternehmen war laut dem Sprecher nämlich aktiv auf den designierten Institutsleiter Lütge zugegangen mit der Idee für die Förderung – zumindest diese Personalie war also offenbar eine Bedingung. Der TU-Professor sei durch sein Engagement auf europäischer Ebene aufgefallen.

Die Bundesregierung will das geplante Institut nicht bewerten

Dass überhaupt Drittmittel in einer solchen Größenordnung angeworben wurden, ist aus Sicht der Linken ein Zeichen für die Unterfinanzierung im Hochschulsystem. Die Linken-Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke kritisiert: „Viele Hochschulen sind durch Einsparungen und Mittelkürzungen dazu gezwungen, Drittmittel anzunehmen, um überhaupt ein gutes Lehrangebot für die immer weiter steigende Zahl von Studierenden aufrecht zu erhalten.“ In einer Antwort auf eine Anfrage der Linken will die Bundesregierung des geplante Institut nicht bewerten und verweist auf die Autonomie der Hochschule.

Anders als die Bundesregierung war die bayerische Landesregierung der TU München schnell zur Seite gesprungen. Für Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) ist die Kooperation ein Zeichen für die „internationale Strahlkraft des Wissenschaftsstandortes Bayern“. Die Unabhängigkeit der akademischen Forschung sei selbstverständlich.

„Es wünscht sich ja auch niemand eine McDonald’s-Institut für Ernährungswissenschaften“

„Natürlich ist die Freiheit der akademischen Lehre und Forschung gefährdet, wenn sie sich in Abhängigkeit von Finanzmitteln privater Dritter begibt“, findet hingegen Gohlke. Groß sei die Gefahr, wenn finanzierte Professuren in direktem Zusammenhang mit dem Betätigungsfeld des Sponsor-Unternehmens stünde: „Es würde sich ja auch niemand eine McDonald’s-Professur für Ernährungswissenschaften wünschen.“

Bei der TU München will man nicht nur Forschung betreiben, sondern auch einen besonderen Fokus auf den Transfer der Erkenntnisse setzen und diese auch der Politik zur Verfügung stellen. Dem Gesetzgeber – ob auf Bundes- oder EU-Ebene – beratend zur Seite zu stehen, sei die „ureigene Aufgabe“ der Wissenschaft, heißt es dort. Ein Austausch mit der Datenethikkommission der Bundesregierung, die derzeit konkrete Handlungsempfehlungen für die Regierung vorbereitet, ist aber nach Backgroundinformationen derzeit nicht geplant. Deren Co-Vorsitzende, Christiane Woopen, sagte auf Anfrage, dass das Institut in der Kommission bisher kein Thema war – und derzeit nicht vorgesehen ist, es auf die Agenda zu setzen.

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