Die KMK will schnell mehr Vergleichbarkeit zwischen den Ländern schaffen. Das muss man auch mal anerkennen, findet unser Kolumnist.

Unser Kolumnist Jan-Martin Wiarda.

Mit einer Kritik liegt man als Bildungsjournalist eigentlich immer richtig. Mit der an der Kultusministerkonferenz: Bürokratisch, intransparent, unwirksam. Ein trauriges Aushängeschild des Föderalismus.

Natürlich ist diese Kritik unfair und einseitig. Aber die KMK liefert eben regelmäßig neue Beispiele. Erst neulich präsentierte sie eine Prognose zum Lehrerbedarf bis 2030, bei der sogar die Kultusminister wussten, dass sie praktisch keine Aussagekraft hat. Weil jedes Bundesland ein bisschen anders zählt. Weil die Prognose damit eine Zusammenfassung von Modellrechnungen ist, die gar nicht zusammenpassen.

Offenbar war aber genau das eine gute Sache. Die Prognose hat nämlich auch in der KMK etwas zum Überkochen gebracht. Sie ist der Unverbindlichkeit der eigenen Beschlüsse, des Mangels an Konsequenzen endgültig überdrüssig. Und so haben die Kultusminister bei ihrer Sitzung vor zehn Tagen einen Reformplan verabschiedet, der es in sich hat. Das sollte man auch mal sagen. Und ja, die KMK dafür loben.

Ein Katalog von prioritären Themen

Teil eins des Reformplans: So eine Prognose soll es nie wieder geben. Die Minister haben sich auf einen Katalog an Themen verständigt, bei denen sie sehr schnell mehr Vergleichbarkeit und Verlässlichkeit schaffen wollen. Und sie haben sie priorisiert. Ganz oben: eine bundesweit stimmige Bildungsstatistik. Länderübergreifende (echte!) Standards für die wichtigsten Schulabschlüsse. Eine Harmonisierung der Lehrerbildung.

Die Liste ließe sich fortsetzen. In den kommenden Monaten wolle die Kultusministerien zusammen mit Experten aus der Szene die wesentlichen Details ausarbeiten. Denn das ist Teil zwei des Vorhabens: Der schon im Frühjahr versprochene KMK-Neuanfang soll nicht irgendwann passieren, sondern jetzt. Um sich selbst unter Druck zu setzen, haben die Minister beschlossen, einen Zeitplan zu erstellen, der die Zwischenschritte bis zur Verabschiedung der Selbstverpflichtung (wahrscheinlich in Form eines neuen KMK-Staatsvertrages) ausbuchstabiert. Der Zeitplan soll noch vor Weihnachten stehen, und ab dann, das wissen die Kultusminister, werden sie daran gemessen.

Die letzte Chance der Kultusminister

Die Kultusminister wissen auch, dass es ihre letzte Chance ist. Nicht nur weil der Bildungsföderalismus so ein mieses Image hat. Sondern weil die Bundesregierung die Einrichtung eines Nationalen Bildungsrates will, der, Zitat aus dem GroKo-Koalitionsvertrag, ebenfalls „Vorschläge für mehr Transparenz, Qualität und Vergleichbarkeit im Bildungswesen vorlegen“ soll. Woraus folgt: Die KMK muss mit ihrer Reform durch sein, bevor der Bildungsrat steht. Und die Reform muss tragen. Weil sonst der Bildungsrat ihr die Rolle streitig machen wird.

Der Mut der Kultusminister zur Veränderung mag also gleich in mehrfacher Hinsicht aus der Not geboren sein, aber es ist Mut. Und der ist bemerkenswert. Noch bemerkenswerter wäre, wenn die Kultusminister jetzt tatsächlich liefern. Die Chancen dafür stehen mit einem Mal überraschend gut.

Der Autor ist Journalist für Bildung und lebt in Berlin. Auf seinem Blog www.jmwiarda.de kommentiert er aktuelle Ereignisse in Schulen und Hochschulen.

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