Die britischen Hochschulen befürchten einen Rückschlag um Jahrzehnte, sollte das Land ohne Abkommen aus der EU ausscheiden. Studierende kommen schon seltener.

Die Universität Oxford.

Die britischen Universitäten warnen vor einem ungeregelten Brexit. Dieser würde zu einem „akademischen, kulturellen und wissenschaftlichen Rückschlag“ führen, „von dem wir uns Jahrzehnte nicht erholen“, heißt es in einem offenen Brief an die Parlamentarier in London, den mehrere Hochschulvereinigungen unterzeichnet haben. Zusammen repräsentieren sie mehr als 150 Hochschulen. Käme es zu einem EU-Austritt Großbritanniens ohne Deal, würde der Austausch von Forschern, Studierenden und anderen Mitarbeitern „ernsthaft behindert“, wichtige Forschungsvorhaben „beschädigt“.

Die Unis verweisen auch auf die Forschungsmittel, die sie bislang noch von der EU bekommen. Über die kommenden zwei Jahre könnten 1,3 Milliarden Euro nach Großbritannien gehen. „Britische Unis dürften bei einem No-Deal-Szenario aber von heute auf morgen nicht mehr an den Programmen partizipieren“, heißt es in dem Brief der Hochschulen. Sie fordern daher eine Garantie, dass die EU-Mittel eins zu eins durch staatliche Mittel ersetzt werden, sollte das Land am 29. März aus der EU ausscheiden, ohne dass es ein Austrittsabkommen gibt. Premierministerin Theresa May will am 15. Januar darüber abstimmen lassen. Es ist aber völlig unklar, ob sie eine Mehrheit dafür zusammenbekommt und was passiert, sollte es keine Mehrheit geben.

Die Zahl der EU-Studierenden geht bereits zurück

Vor dem Hintergrund des nahenden Brexits ist im laufenden akademischen Jahr die Zahl der EU-Studierenden in Großbritannien offenbar bereits zurückgegangen. Die Unis der „Russell Group“ – das sind die 24 führenden britischen Hochschulen – verzeichneten für das Jahr 2018/19 einen Rückgang von drei Prozent bei den EU-Studierenden. Das betraf vor allem Master-Studierende (minus fünf Prozent) und PhD-Studierende (minus neun Prozent), während die Zahl der Bachelor-Studierenden aus der EU um ein Prozent zunahm.

Um die Attraktivität britischer Unis zu erhalten, hatte die Regierung angekündigt, dass EU-Studierende keine höheren Studiengebühren zahlen müssen, wenn sie sich bis Herbst 2019 einschreiben. Dieser Sonderstatus gelte bis zum angestrebten Abschlussexamen, hieß es – je nach Dauer also bis zum Jahr 2023. Allerdings könnten EU-Studierenden nach dem Brexit dennoch eine Visapflicht und neue Aufenthaltsbestimmungen drohen.

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