„Wir müssen zum Mond zurückkehren, um zu bleiben“. Mit diesen Worten hat Amazon-Chef Jeff Bezos Pläne seiner Mondlandefähre vorgestellt. Er hat Großes vor.

Große Pläne für die Raumfahrt: Amazon-Gründer Jeff Bezos

In fünf Jahren sollen wieder Amerikaner auf dem Mond landen. Dieses Ziel hatte US-Vizepräsident Mike Pence unlängst ausgegeben. Allerdings wird das mit der bisher im Auftrag der Nasa entwickelten Technik kaum machbar sein: Die Schwerlastrakete „Space Launch System“ ist immer noch nicht startklar und vor allem eine Landeeinheit für Astronauten gibt es auch noch nicht.

Nun hat sich Jeff Bezos, Gründer von Amazon, mit seiner Firma Blue Origin ins Spiel gebracht. Am Donnerstag (Ortszeit) stellte er in Washington während einer perfekt inszenierten Show die Mondlandefähre „Blue Moon“ vor. „Das ist ein unglaubliches Fahrzeug, und es wird zum Mond fliegen“, sagte er.

Dort soll es sanft auf der Oberfläche aufsetzen und bis zu 6,5 Tonnen Fracht liefern wie zum Beispiel Forschungsgeräte; weiterhin sollen bis zu vier Rover abgesetzt werden, die die nähere Umgebung erkunden. Die Landefähre kann zudem mit einem Modul versehen werden, das Menschen transportiert und sie am Ende des Einsatzes von der Mondoberfläche abheben lassen kann, um nach Hause zurückzukehren. 

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Mal gucken, ob das so gut funktioniert wie der Amazon-Lieferservice: ‚Ihre Sendung konnte auf dem Mond leider nicht zugestellt werden. Sie wird nun zum nächstgelegenen Himmelskörper transportiert und steht dort ab 10.00h am nächsten Werktag zur Abholung bereit.‘

…schreibt NutzerIn Sokratis

Mit Lockheed Martin, SpaceX oder Blue Origin zum Mond? Die Nasa hat die Wahl

Bezos sprach die Nasa-Vertreter im Publikum nicht explizit auf seine Offerte an, doch auf der Firmen-Website steht klar: „Die größere Variante von Blue Moon ist so gestaltet, dass es möglich ist, Amerikaner bis 2024 zurück zum Mond zu bringen.“ Ob Blue Origin sich durchsetzt, wird sich zeigen. Erst im April hatte Lockheed Martin sein Konzept für ein Mondlandemodul vorgestellt und ebenfalls erklärt, bis 2024 Astronauten zurück zum Mond bringen zu können.

Die Blue Moon-Landefähre wurde in den vergangenen drei Jahren weitgehend im Geheimen entwickelt. Bezos‘ Ambitionen waren bekannt, aber nur wenig Details wie etwa die Zahlung von 50.000 Dollar an die Nasa für die Pläne alter Landefähren und wichtigen Daten aus früheren Landungen auf dem Mond.

Video10.05.2019, 12:10 Uhr00:47 Min.Bezos präsentiert Mondlander ‚Blue Moon‘

Überhaupt ist Bezos, für den Blue Origin „das Wichtigste ist, was ich mache“, eher zurückhaltend im Vergleich zu Elon Musk, Chef von SpaceX. Er lässt kaum eine Gelegenheit aus, sich und seine Raumfahrtfirma in die Öffentlichkeit zu bringen. Seine Zeitpläne und Ankündigungen haben nicht allzu lange Bestand. Und eine Rakete „Big Fucking Rocket“ zu nennen, dazu gehört schon eine gehörige Portion Selbstbewusstsein. Mittlerweile heißt das Projekt übrigens „Starship“, es soll dazu dienen, Menschen zu geringen Kosten auf den Mars zu bringen. Bezos und Blue Origin hingegen sind weniger schillernd, sondern gelten eher als zuverlässig und ernsthaft.

Bemerkenswert ist, dass als Entwicklungspartner und Kunden für Blue Moon neben dem Massachusetts Institute of Technology und anderen US-Einrichtungen auch die europäischen Raumfahrtfirmen Airbus und OHB genannt wurden. OHB zum Beispiele hatte erst im Herbst eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. „Ziel der Vereinbarung ist es auszuloten, inwieweit OHB mit der Tochter MT Aerospace und Blue Origin über den Atlantik hinweg erweitert zusammenarbeiten können, etwa bei der Entwicklung von Nutzlasten für künftige Mondmissionen“, sagte Günther Hörbst, Sprecher von OHB auf Anfrage. Auch von Airbus ist kaum Konkretes zu hören. „Es gibt ein Kontakt von Airbus zu Blue Origin, um die technische Kompatibilität von Nutzlasten, die von Airbus entwickelt werden, mit Blue Moon zu prüfen“, sagt Sprecher Ralph Heinrich. „Das heißt aber nicht, dass wir hier als Kunden auftreten.“

Trägerrakete etwas kleiner als der Mondtransporter Saturn 5

Neben dem Landemodul wurden nun auch weitere Details zur Trägerrakete „New Glenn“ bekannt gegeben. Sie wird mit knapp 100 Metern Höhe etwas kleiner sein als die „Saturn 5“, die vor vier Jahrzehnten Astronauten zum Mond brachte. Sie arbeitet ähnlich wie die Konkurrenz von SpaceX: Nachdem die erste Stufe ausgebrannt ist, wird sie abgetrennt, kehrt zur Erdoberfläche zurück und soll aufrecht stehend landen. Sie soll bis zu 25-mal wiederverwendbar sein.

Geflogen ist sie bisher noch nicht, aber ihre kleine Schwester „New Shepard“. Sie ist für suborbitalen Weltraumtourismus vorgesehen, also Flüge die nicht in eine reguläre Umlaufbahn um die Erde führen. Bisher startete New Shepard unbemannt, in diesem Jahr soll der erste Flug mit Astronauten stattfinden.

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