Sie ist zum Symbol für steigende Mieten und zum Hass-Objekt für viele Aktivisten geworden: die Immobilienfirma Deutsche Wohnen (DW).

Am Dienstag lädt der Konzern zur Hauptversammlung nach Frankfurt. Vor dem Versammlungsort forderten rund zwei Duzend Kritiker, den Konzern zu enteignen. Voraussichtlich wird eine DW-Gegnerin sogar eine Rede halten.

Gegenwind dürfte Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn aber auch von den Aktionären bekommen. Denn die Deutsche Wohnen SE ist gerade eine der umstrittensten Immo-Firmen in Deutschland, und nach der Diskussion um einen Mietendeckel in Berlin rauschte die Aktie um mehr als 15 Prozent auf 35,73 Euro ab. Zuletzt erholte sie sich wieder ein wenig.

DW-Boss: „Mit der gesellschaftlichen Akzeptanz unseres Unternehmens ist es schlecht bestellt“

Der Chef der Deutsche Wohnen Michael Zahn hat auf der Hauptversammlung des Konzerns den Vorwurf überhöhter Mieten zurückgewiesen.

„Der Wohnraum, den wir anbieten, hat wenig mit Luxus zu tun. Das ist mittlere Qualität, die bezahlbar ist“, sagte Zahn am Dienstag vor etwa 150 Aktionären in Frankfurt. „Dass es Haushalte gibt, die sich Marktmieten nicht leisten können, dafür habe ich Verständnis.“ Aber das dürfe nicht zu Subventionen mit der Gießkanne führen, die Mieter unabhängig von ihrem Einkommen zugutekommen würden.

Zahn übte noch vor dem Beschluss Kritik an der Politik. Er beobachte viel Aktionismus, der teilweise stark von Populismus getrieben sei: „Was wir brauchen, sind klare und langfristige Rahmenbedingungen.“

„Mit der gesellschaftlichen Akzeptanz unseres Unternehmens ist es schlecht bestellt“, gestand Zahn ein. Er hielt den Kritikern entgegen, Deutsche Wohnen sei ein langfristiger Investor und kein Spekulant. „Wir schütten weniger aus als unsere Wettbewerber, aber wir investieren auch erheblich.“ Den Initiatoren der Enteignungskampagen gehe es in erster Linie darum, den Wohnungsmarkt stärker zu regulieren und nicht die Konzerne zu enteignen.

„Wir sind die Geister, die ihr rieft“

Vor dem Versammlungsort forderten Kritiker die Enteignung des Konzerns.

Demonstranten in Gespensterkostümen hielten Plakate mit Aussagen wie „Wir sind die Geister, die ihr rieft“ oder „Quälgeister aller Wohnungskonzerne vereinigt euch“ in die Höhe und skandierten Slogans wie „Deutsche Wohnen enteignen“.

Gegner halten Rede bei der Hauptversammlung

Zur Hauptversammlung in Frankfurt sind Proteste gegen die Deutsche Wohnen angekündigt. Und: die Gegner des Immobilienkonzern haben sich wohl Zutritt verschafft und werden bis an das Rednerpult der Versammlung vordringen.

Der Sozialarbeiterin Susanna Raab von der Initiative „Deutsche Wohnen & CO enteignen“ wurden laut ZDF.de fünf Minuten Redezeit im Kongresshaus der Messe Frankfurt gestattet. Sie wolle die Redezeit nutzen, um auf die Mieterhöhungen und den miserablen Zustand der DW-Wohnungen aufmerksam zu machen. Möglich sei die Stellungnahme durch eine Übertragung der Eintrittskarten von Aktionären an den Dachverband Kritische Aktionäre. Dieser habe die damit verbundenen Rede- und Stimmrechte an Aktivisten weitergegeben.

Raab erklärte dem öffentlich-rechtlichen Sender: „Wir wollen den Anlegern klar machen, dass sie auf dem Rücken der Bürger mit deren Wohnungsmisere Geld machen und dass dies langfristig keine profitable Strategie sein kann und darf.“

Ermittlungen laufen

Der DW gehören nach eigenen Angaben mehr als 160 000 Wohnungen, viele davon in Berlin. Ihren Sitz hat das börsennotierte Unternehmen in Berlin, wo es zuletzt auch besonders in die Schlagzeilen geriet. Laut der Berliner Generalstaatsanwaltschaft laufen Ermittlungen gegen die Chefs einer Tochterfirma des Immobilienkonzerns.

▶︎ Im Raum steht die Frage, ob die DW im Deal um Häuser an der berühmten Karl-Marx-Allee die Mieter übers Ohr gehauen hat. Im Oktober 2018 hatte die Nebenstelle der DW für ihren Mutterkonzern dort drei Wohnblöcke für mehr als 200 Millionen Euro gekauft.

  • Weil Berlin Mietendeckel plant

    Eigentümer-Verband empfiehlt schnelle Mieterhöhung

    „Erhöhen Sie unbedingt bis zum 17. Juni die Miete!“, fordert der Verein „Haus & Grund“ in Berlin auf seiner Website.

Die rund 680 Mieter wurden einen Monat später offiziell von ihrem gesetzlichen Vorkaufsrecht informiert. Der Vorwurf: Die DWRE Alpha habe für Wohnungen in denen Altmieter lebten, deutlich höhere Kaufpreise vereinbart als für leerstehende Wohnungen.

Schon im Februar gab es einen ähnlichen Fall vor dem Landgericht Berlin. Der Vorwurf da: Während die DW für leere Wohnungen nur 3 500 Euro pro Quadratmeter bezahlt hätte, hätte sie Mietern die Wohnungen für 4 500 Euro angeboten. Die DW stritt das ab.

Aktivisten wollen Volksbegehren

Solche Meldungen dürften ein Grund dafür sein, warum Aktivisten den Konzern zunehmend im Visier haben. Sie sehen große Immobilienfirmen als Preistreiber bei den Mietpreisen. Anfang April demonstrierten Zehntausende in Berlin gegen hohe Mieten und Wohnungsmangel.

▶︎ Organisiert wurde der Protest von einem Bündnis, das auch das Volksbegehren „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ gestartet hat. Die Forderung: Private Wohnungsgesellschaften wie die Deutsche Wohnen, die mehr als 3000 Wohnungen halten, „sollen nach Artikel 15 Grundgesetz enteignet und ihre Bestände in Gemeineigentum überführt werden“.

Deutsche-Wohnen-Chef Zahn traf sich daraufhin mit Vertretern des Bündnisses. Wirklich was herumgekommen ist dabei aber nicht. Der Konzern-Chef sieht die Schuld für die Wohnungsnot in Berlin bei der Politik. Schon vor der Veranstaltung hatte er das schlechte Neubauklima in der Hauptstadt beklagt: „Leider scheitern Projekte zu oft an Einzelinteressen und daran, dass Prozesse bewusst verzögert werden.“

Die Aktivisten haben das nicht auf sich sitzen lassen und inzwischen der Berliner Senatsverwaltung die seit April gesammelten Unterschriften übergeben. Mit 77 001 Unterschriften kamen mehr als dreimal so viele zusammen, als für die Einleitung eines Volksbegehrens nötig sind. Ganz am Ende könnte also möglicherweise ein Volksentscheid kommen.

Senat berät Mietendeckel – DW-Aktie stürzt ab

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Der Dienstag könnte ein entscheidender Tag für die DW werden: Zusätzlich wird an diesem Tag nämlich im Berliner Senat über einen möglichen Fünf-Jahres-Stopp von Mieterhöhungen beraten.

Die rot-rot-grüne Landesregierung widmet sich also jenem Eckpunktepapier, das in der letzten Zeit für extreme Kursverluste gesorgt hatte. Nach einem möglichen Beschluss könnte das Papier Grundlage für einen Gesetzentwurf werden.

Seit das Eckpunktepapier vor circa zwei Wochen in den Medien thematisiert wurde, stürzten die Aktien der DW ab: auf das tiefste Niveau seit Frühjahr 2018. Zuletzt stieg die Aktie wieder ein wenig. Sie stieg um 0,32 Prozent auf 37,05 Euro.

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