6000 Stellen gestrichen, davon 4000 in Deutschland +++ Komplette Umstrukturierung

Wirtschaftskrimi um den größten deutschen Stahl-Riesen!

Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff vollzieht mit zwei Entscheidungen eine Kehrtwende: Er legte das seit Jahren verfolgte Stahl-Joint-Venture mit Tata Steel ebenso zu den Akten wie die Konzernaufspaltung, die er im Herbst vorgeschlagen hatte.

„Thyssenkrupp wird sich grundlegend neu ausrichten, um die operative Leistungsfähigkeit entscheidend zu verbessern“, teilte der Konzern mit. Dafür werden 6000 Stellen abgebaut, zwei Drittel davon in Deutschland. Die lukrative Aufzugssparte soll an die Börse.

Die Nachrichten über den radikalen Umbau lösten an der Börse ein Kursfeuerwerk aus. Die Thyssen-Aktie schoss am Freitag in der Spitze gut 20 Prozent in die Höhe!

1. Kein Zusammenschluss mit Tata Steel

Die Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata Steel kommt nicht zustande. Man erwarte, dass die EU-Kommission die Fusion untersage, teilte Thyssenkrupp mit. Es gebe „fortbestehende Bedenken der Kommission“. Beide Unternehmen wollen nicht nachbessern, weil sonst angestrebte Synergieeffekte gemindert würden.

Durch den Zusammenschluss wäre Europas zweitgrößter Stahlkonzern mit 48 000 Mitarbeitern und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden entstanden. Ziel von ThyssenKrupp war es, sich von dem stark schwankungsanfälligen Stahlgeschäft weitgehend zu verabschieden.

Dass die Fusion nicht zustande kommt, ist laut Thyssenkrupp der Grund für die radikale Neustrukturierung.

  • Fusion mit Tata vom Tisch

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    Nach der geplatzten Verschmelzung der Stahl-Sparten muss der Konzern sparen, will weltweit 6000 Stellen abbauen.

2. Abbau von 6000 Stellen

Das Industrieunternehmen will in den kommenden drei Jahren 6000 Stellen abbauen, davon etwa 4000 in Deutschland. Personalvorstand Oliver Burkhard schließt betriebsbedingte Kündigungen wegen der Dimension nicht aus: „Es ist ein recht tief greifender Einschnitt.“

Für die 27 000 Stahlarbeiter von Thyssenkrupp sei das Veto der EU-Kommission „ein harter Schlag“, sagte Kerkhoff. Ihnen hätten die Fusion mit Tata „eine Zukunftsperspektive gegeben“. Die IG Metall hatte eine Beschäftigungsgarantie bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erreicht. Dieser Tarifvertrag werde jetzt nicht in Kraft treten, sagte Burkhard.

Die Verwaltungskosten sollen von 380 Millionen Euro auf weniger als 200 Millionen fast halbiert werden.

3. Keine Konzern-Aufspaltung

Wegen der geplatzten Stahlfusion mit Tata Steel will die deutsche Firma die geplante Aufspaltung in zwei eigenständige Unternehmen absagen.

Der Thyssenkrupp-Vorstand habe die „strategischen Optionen für das Unternehmen neu bewertet“ und werde dem Aufsichtsrat vorschlagen, die geplante Teilung abzusagen. Eigentlich waren zwei „fokussiertere und leistungsfähigere Unternehmen“ geplant.

Thyssenkrupp Industrials sollte ein reines Industriegüterunternehmen werden und aus drei Einheiten bestehen – dem Aufzuggeschäft, dem Automobilzulieferergeschäft und dem Kernanlagenbau. Thyssenkrupp Materials sollte ein Werkstoffkonzern werden, der die Stahl- und Edelstahlproduktion, den Materialhandel und die stahlnahe Weiterverarbeitung vereint.

  • 2000 Jobs stehen auf dem Spiel

    Stahlkocher protestieren gegen geplante Fusion

    Die Fusionsabsichten des Stahlgiganten Thyssenkrupp mit Konkurrenten Tata sorgen für Reaktionen aus Arbeiterschaft, Politik und Wirtschaft.

  • Vorstand ist sich einig

    Thyssenkrupp soll aufgespalten werden!

    Die Vorstände sind sich einig: Thyssenkrupp soll in zwei Teile aufgespalten werden! Das wollen sie dem Aufsichtsrat vorschlagen.

4. Börsengang der Aufzugssparte

Nun setzt Thyssenkrupp auf eine Holdingstruktur – mit mehr Freiheit für die einzelnen Bereiche, sich weiterzuentwickeln. Die lukrative Aufzugssparte soll an die Börse gebracht werden, um den finanziellen Spielraum von Thyssen zu verbessern.

Die Sparte, an der der finnische Konkurrent Kone Interesse angemeldet hatte, werde höher bewertet als der ganze Thyssenkrupp-Konzern, sagte Kerkhoff. Die Stahlsparte müsse nach der Absage der Fusion saniert werden, 2000 Stellen sollen hier gestrichen werden. Auch für den Werkstoffhandel würden Optionen geprüft. Der Aufsichtsrat soll am 21. Mai über die Pläne entscheiden.

Die abgesagte Stahlfusion vermasselt Thyssenkrupp auch die Jahresbilanz, denn die erwarteten Buchgewinne fallen aus. Deshalb strich Kerkhoff die Prognose für das laufende Geschäftsjahr zusammen: Der Konzern rechnet nun inklusive des Stahlbereichs, der im dritten Quartal wieder eingegliedert wird, mit einem bereinigten operativen Ergebnis (Ebit) von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro.

Unter dem Strich erwartet ThyssenKrupp in diesem Jahr Verluste.

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