Pharmakonzern Bayer hat in den USA auch den dritten wichtigen Prozess um Unkrautvernichter Roundup von Tochter Monsanto verloren – und soll 2,05 Milliarden Dollar Schadensersatz (umgerechnet 1,82 Milliarden Euro) zahlen!

Ein Ehepaar hatte das Unternehmen verklagt, weil es Roundup für seine Krebserkrankungen verantwortlich macht. Die Geschworenen-Jury ging davon aus, dass der in den USA als Roundup bekannte Unkrautvernichter mit dem Wirkstoff Glyphosat für die Non-Hodgkin-Lymphome des Ehepaares Pilliod verantwortlich ist.

Die Anwälte des Paares sprachen von einem „historischen“ Strafmaß. Bayer will die Entscheidung anfechten.

Das Urteil

Geklagt hatte das Rentnerehepaar Alva und Alberta Pilliod. Bei beiden wurden kurz nacheinander Non-Hodgkin-Lymphome diagnostiziert. Das sind bösartige Erkrankungen des Lymphgewebes (Lymphknotenkrebs). Ehepaar Pilliod macht dafür die jahrzehntelange Verwendung des Unkrautvernichters Roundup verantwortlich.

Bayer macht für die Krebserkrankungen der beiden Kläger umfangreiche Vorerkrankungen verantwortlich.

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Der Pharma-Riese erklärte: Um zu dem Schluss zu kommen, dass das Mittel tatsächlich an den Krebsdiagnosen des Paares schuld ist, hätte die Jury feststellen müssen, dass die Krebserkrankungen der Kläger ohne den Einsatz von Roundup nicht eingetreten wären. Dafür gebe es aber „keine verlässlichen wissenschaftlichen Nachweise“.

Vorwurf: Manipulierte Studien zu Krebsrisiken

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Während des Prozesses hatte die Anklage immer wieder versucht, die Geschworenen-Jury des Gerichts in Oakland (Bundesstaat Kalifornien) nicht nur davon zu überzeugen, dass Monsantos Produkte Krebs verursachen, sondern auch dass mit manipulierten Studien Risiken verschleiert wurden.

Laut Rechtsanwalt Brent Wisner hatte die Jury Einsicht in firmeninterne Dokumente, aus denen hervorgeht, dass Bayer-Tochter Monsanto „niemals irgendein Interesse daran hatte, herauszufinden, ob Roundup sicher ist“.

Bayer erklärte in seiner Stellungnahme, die Kläger hätten nur Teile von Studien angeführt, die so nicht ausreichend belastbar seien. Außerdem sei man von der Jury-Entscheidung enttäuscht. Bayer verwies auf die Einschätzung der US-Umweltbehörde EPA, zu der das Jury-Urteil „in direktem Widerspruch“ stehe. Roundup werde „seit mehr als 40 Jahren weltweit sicher und erfolgreich verwendet“, erklärte das Unternehmen weiter.

Die 2,05 Milliarden Dollar wurden in zwei unterschiedliche Strafzahlungen aufgeteilt.

Zwei Milliarden Dollar soll Monsanto laut der Jury an Strafschadenersatz zahlen. Damit soll im angloamerikanischen Recht ein Täter bestraft und davon abgehalten werden, eine Tat zu wiederholen. Im Deutschen gibt es keine Entsprechung. 55 Millionen Dollar (49 Millionen Euro) wurden dem Ehepaar Pilliod an Schadenersatz zuerkannt.

Für Bayer ist der Fall hochbrisant

Es ist bereits der dritte Schuldspruch innerhalb weniger Monate!

Im März hatte eine Jury in San Francisco einem Mann in einem ähnlichen Fall 80 Millionen Dollar zugesprochen. Im August verurteilte eine Jury Monsanto zu einer Zahlung von 289 Millionen Dollar. Diese Summe senkte ein Richter anschließend auf 89 Millionen Dollar.

Weitere Prozesse werden folgen!

Zuletzt war der Konzern in den USA nach eigenen Angaben mit rund 13 400 Klagen Krebskranker wegen des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup konfrontiert. Auch in den ersten beiden Fällen hat Bayer Berufung eingelegt.

Bayer hatte Monsanto im vergangenen Jahr für 63 Milliarden Dollar (rund 56 Milliarden Euro) gekauft und steht deshalb massiv unter Druck.

Hat Glyphosat eine krebsauslösende Wirkung? In der Forschung ist diese Frage umstritten. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland sind der Meinung, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht.

Dagegen behauptete die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) 2015, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend bei Menschen“ sei.

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