Sie sind jung – und brauchen NIE wieder Geld: Deutschlands reichste Erben.

Auch für sie gilt: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ So nämlich steht es in Artikel 14 unseres Grundgesetzes.
Doch tun die Milliarden-Erben wirklich genug für unser Land? Tragen sie ausreichend bei zum sozialen Zusammenhalt in Deutschland?

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Die Fakten: 85 Prozent aller Deutschen, also die große Mehrheit, profitieren während ihres Lebens mindestens einmal von einer Erbschaft. Insgesamt werden bundesweit pro Jahr Vermögen im Wert von schätzungsweise bis zu 400 Milliarden Euro vererbt. Das ist so viel wie nie! Doch jeder Dritte erbt nur geringe Geldbeträge. Die ganz großen Erbschaften von mindestens einer Million Euro teilen sich nur zwei Prozent der Deutschen.

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Viele minderjährige Erben

Unter den reichsten Erben waren in den vergangenen Jahren besonders viele Minderjährige: Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wurde zwischen 2011 und 2014 Firmenvermögen im Wert von 37 Milliarden Euro an Kinder und Jugendliche übertragen – STEUERFREI! Der größte Teil, nämlich 29,4 Milliarden Euro, ging an 90 Kinder im Alter von unter 14 Jahren: pro Kopf im Schnitt also 327 Millionen.

Und was hat der Fiskus davon? Nur wenig!
Zwar steigen die Einnahmen aus der Erbschaftsteuer seit Jahren stetig an: 2018 nahmen die Bundesländer rund 6,8 Milliarden Euro dadurch ein. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es nur 4,7 Milliarden, vor 20 Jahren nur 2,4 Milliarden Euro Erbschaftsteuer.

Doch vom größten Teil der Erbschaften sieht der Staat keinen Cent! Denn wenn es sich bei dem Vermögen um Firmenvermögen handelt, gelten im Steuerrecht umfangreiche Privilegien.
Häufig können 100 Prozent des Unternehmens komplett steuerfrei vererbt werden. Damit sollen die Hunderttausenden Familienunternehmen geschützt werden.

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Union und FDP verteidigen das! „Bei Erbschaften von Unternehmen kommt es vor allem darauf an, dass diese im Interesse der Firma und der Mitarbeiter ohne große Belastungen weitergeführt werden können“, sagt CDU-Chefhaushälter Eckhard Rehberg (65).

Und FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff (52) sagt zu BILD: „Wenn der Staat beim Generationswechsel die wirtschaftliche Grundlage wegsteuert, dann wird Deutschland ein ärmeres Land.“

Auch Sarna Röser von den „Jungen Familienunternehmern“ verweist vor allem auf die wirtschaftliche Verantwortung von Firmen-Erben: „Ich bin Nachfolgerin in unserem Familienunternehmen. Allen Erben sollte klar sein: Das Erbe eines Unternehmens ist ein Privileg, bedeutet aber auch, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.
Am Erfolg des Unternehmens hängen viele Arbeitsplätze und somit viele Schicksale. Meine zukünftigen Entscheidungen beeinflussen, ob es mit dem Unternehmen bergauf oder bergab geht. Es geht um nichts weniger, als ein über Generationen bestehendes Unternehmen, das oft eine ganze Region prägt, weiter in die Zukunft zu führen.“

Viel Vermögen geht an Stiftungen

Zur Wahrheit gehört allerdings auch dies: Deutschlands Multimillionäre und Milliardäre stecken ihr Vermögen oft in Stiftungen – vorrangig um Gutes zu tun. Aber eben auch, damit der Staat bei der Übertragung an Ehepartner und Kinder nicht zugreifen kann.

So werde Deutschland „immer mehr zur Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen reichen Erben und Menschen, die sich ihr Einkommen selbst hart erarbeiten müssen“, kritisiert der Grünen-Wirtschaftsexperte Dieter Janecek (42) und fordert eine pauschale Erbschaftssteuer von 15 Prozent für ALLE…

Aber geht es wirklich nur mit Zwang über die Steuer? Multi-Millionär Walter Gunz (73, sozial sehr aktiv!) war einer von drei Gründern von „Media Markt“. Aus dem Nichts heraus schuf er mit eigener Hände Arbeit die Elektro-Kette. Wie denkt er über die „Generation Erbe“?

Gunz zu BILD: „Niemand ist dafür verantwortlich, wie viel er erbt. Aber jeder ist dafür verantwortlich, was er mit seinem Erbe anstellt. Die jungen Erben im Deutschen Mittelstand sollten alle aus einem inneren Antrieb heraus mit beiden Händen der Gesellschaft etwas zurückgeben – und dabei nicht allein an ihre Firmen denken. Jeder sollte sich fragen: ‚Gibt es ein Turnhallen-Dach in der Stadt, das neu gedeckt werden muss?‘ ‚Welchem Verein kann ich helfen?‘“ Gunz weiter: „Aus großem Vermögen erwächst große Verantwortung!“

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