Gute Nachricht für Verbraucher: Die Zahl der Trickbetrugsversuche an Geldautomaten in Deutschland ist im vorigen Jahr zurückgegangen: 2018 wurden 449 sogenannter „Skimming“-Manipulationen registriert, 2017 waren es noch 499.

Nach Angaben der Finanzwirtschaft ist der Bruttoschaden bei der Geldautomaten-Abzocke damit auf das Rekordtief von 1,44 Millionen Euro gesunken – nach 2,2 Millionen Euro im Jahr 2017 und 1,9 Millionen Euro im Jahr 2016.

Der englische Begriff „Skimming“ bedeutet so viel wie „Abschöpfen“ oder „Absahnen“ und steht für eine Methode, illegal elektronische Daten von Zahlungskarten (girocard und Kreditkarte) auszuspähen.

Grund für den Rückgang der Betrugszahlen ist verbesserter Schutz bei der Automaten-Technik.

Doch Verbraucherschützer warnen: Zeit zum Aufatmen ist noch nicht!

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Das sind die Maschen

Denn obwohl der Datenklau schwieriger geworden ist, unmöglich ist es nicht. Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen warnt, die rückläufigen Zahlen seien kein Grund zum Aufatmen: „kritisch und aufmerksam sollte man bleiben“.

Eine Masche: Kriminelle installieren über der eigentlichen Tastatur ein zusätzliches Tastenfeld, um die PIN-Nummer abzufischen – und speichern gleichzeitig über ein Vorsatzgeräte am Kartenschlitz die Kartendaten. Die Funktion des Automaten wird dadurch nicht beeinträchtigt, das zusätzlich angebrachten Elemente fallen kaum auf.

Statt der Zusatztastatur verwenden Kriminelle oft auch eine versteckte Kamera. Die Kamera wird dann zum Beispiel in einem Prospekthalter oder einer Rauchmelderattrappe am Automaten versteckt.

Mit diesen Daten fertigen die Täter Kopien der Karten an und heben im (außereuropäischen) Ausland Geld von den Konten der Opfer ab. Nach polizeilichen Erkenntnissen handelt es sich bei den Tätern überwiegend um organisiert vorgehende ausländische Gruppen.

In Deutschland können die kopierten Karten nicht mehr eingesetzt werden. Seit Ende 2010 wird die sogenannte EMV-Technologie verwendet. Karten sind dabei mit einem Prozessorchip ausgestattet und bei jedem Karteneinsatz am Geldautomaten wird ein Datensatz verschlüsselt, der die Karte auf Echtheit prüft. Insgesamt sind in Deutschland 58 000 Geldautomaten, 820 000 Bezahlterminals im Handel und rund 100 Millionen Girocards mit dieser Technik ausgestattet.

Das führe aber dazu, dass sich die Betrugsfälle in Deutschland verlagern, sagt Verbraucherschützer Mai: „Es ist ja auch ein Hase-Igel-Spiel, die lassen sich dann etwas Neues einfallen.“ Dabei würde auch auf alte Tricks zurückgegriffen: gefälschte E-Mails oder Fake-Telefonanrufe von einer 110-Nummer.

Sonderfall Berlin

Gerade weil deutsche Kreditkarten immer besser geschützt sind, ist Berlin mit seinen vielen internationalen Touristen ein beliebtes Ziel für Skimming.

Die Täter spekulieren auf ausländische Karten mit relativ leicht kopierbaren Magnetstreifen. Allein hier wurden im vergangenen Jahr 343 mal Geldautomaten manipuliert, 2017 waren es 287.

Wer Opfer von Skimming in Deutschland geworden ist, hat Glück im Unglück: Für die Sicherheit in der Bank sind die Geldinstitute zuständig, die Schäden werden in der Regel ersetzt. Wichtig: Immer regelmäßig die Kontoauszüge checken!

Geoblocking soll im Ausland schützen

Im Ausland werden noch häufig kopierte Karten verwendet. Besonders in den USA, Kolumbien und Indonesien, aber auch Ecuador, Thailand und Brasilien sind betroffen.

Als Reaktion darauf haben viele Banken das sogenannte Geoblocking eingeführt: In einzelnen Ländern sind sie Karten nicht einsetzbar oder die Zahlungen sind auf einen kleinen Betrag begrenzt. Vor einer Reise sollten Bankkunden deshalb erfragen, ob sie ihre Karte am Urlaubsort nutzen können.

Bei Verdacht auf Ausspähung der Kartendaten können Kreditkaten über die Bank oder über den bundesweiten Sperrnotruf 116 116 gesperrt werden.

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So können Sie sich vor„Skimming“ schützen

▶︎ Karten und PINs separat voneinander aufbewahren.

▶︎ Wenn man zum Öffnen der Bank-Eingangstür eine Karte braucht, eine andere nutze als dann am Automat. Achtung: ︎Banken fragen NIE an der Tür den PIN ab, falls dies also passiert Polizei informieren.

▶︎ Beim Eintippen der PIN am Automaten, im Supermarkt oder der Tankstelle: genug Abstand zu anderen Menschen halten, sodass niemand die Ziffernfolge sehen kann.

▶︎ Während der PIN-Eingabe Hand oder Geldbeutel als Sichtschutz verwenden.

▶︎ Keine Geldautomaten nutzen, an denen etwas ungewöhnlich erscheint, z. B. angebrachte Leisten oder Verblendungen, abstehende und lockere Teile, Spuren von Kleber rund um den Kartenschlitz.

Neue Bezahlmethoden, wie etwa mit dem Smartphone, seien bisher unproblematisch, so Mai: „Bisher gab es keine Beschwerden über kontaktloses Bezahlen. Da ist es eher wichtig sich für den Fall abzusichern, dass beim Verlust des Smartphones nichts passiert, etwa durch guten Passwort-Schutz.“

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