Kann Boeing-Chef Dennis Muilenburg den Sinkflug seines Unternehmens aufhalten?

Eigentlich ist der Konzern-Chef für seinen schnellen Erfolg an der Spitze von Boeing bekannt. Der hoch aufgeschossene 55-Jährige mit dem blonden Kurzhaarschnitt stand bisher für Zackigkeit und Machertum.

Nach dem Absturz zwei seiner Maschinen im vergangenen halben Jahr steht sein Unternehmen vor der Krise – und Muilenburg ist eher auf Tauchstation.

In einem Brief an Fluggäste und Airlines bat Muilenburg zuletzt um Vertrauen.

► „Sicher und verlässlich mit unseren Flugzeugen zu reisen, ist ein bleibender Wert und unsere absolute Verpflichtung gegenüber jedermann“, schrieb Muilenburg. „Wir wissen, dass Leben von der Arbeit abhängen, die wir machen, und unsere Teams nehmen diese Verantwortung täglich als tief empfundene Verpflichtung an.“

Bei der Ursachenforschung über den Absturz der Ethiopian-Airlines-Maschine mit Auswertung der Flugschreiber gehe die Arbeit „gründlich und schnell“ voran.

Boeing werde bald eine Software veröffentlichen und dazugehöriges Training für Piloten anbieten, um den „Sorgen zu begegnen”, verkündete er weiter. Bei den Ermittlungen zu dem Absturz in Äthiopien war die Software der Maschine – darunter allen voran das Stabilisierungssystems MCAS – unter Verdacht geraten.

CEO Muilenburg gelobt Besserung

Produktion von Boeing 737 MAX wird nicht eingestellt

Quelle: Reuters
1:47 Min.

Kurz nach dem Erfolgskurs der derbe Einbruch: Am 10. März stürzte ein 737-Max-8-Jet von Ethiopian Airlines kurz nach dem Start in Addis Abeba ab, 157 Menschen kamen ums Leben.

▶︎ Brisant: Schon wenige Tage nach dem Absturz der Maschine – einem Jet der Linie Ethiopian Airlines – hatte die US-Luftfahrtbehörde auf Ähnlichkeiten zum Crash eines baugleichen Flugzeugs im Oktober 2018 in Indonesien mit 189 Toten hinwiesen.

Die Folge für Boeing: Den beiden Flugzeugkatastrophen fielen insgesamt 346 Menschen zum Opfer. Der Flugzeugtyp 738 Max 8, der vorher noch Umsatztreiber und Ertragsbringer war, gilt mittlerweile als „Krisen-“ oder „Todesflieger“. Fast weltweit gelten Flugverbote für die Maschinen. Auch Boeing empfahl seinen Kunden schließlich, die betriebenen Maschinen vorerst am Boden zu lassen.

Muilenburg suchte Hilfe bei Trump

Im Umgang mit den laufenden Ermittlungen war Boeing-Chef Muilenburgs bisher massiv in die Kritik geraten. Viele US-Medien werfen ihm mangelnde Teilnahme und Offenheit vor. Statements wurden bisher zurückhaltend auf der Boeing-Webseite veröffentlicht – und nicht wie sonst über den Presseverteiler. Darin gibt sich die Konzern-Spitze neutral, spricht davon, die Ermittlungen weiter zu unterstützen.

  • Boeing 737 MAX 8

    Warum kann ein Sicherheits-System so gefährlich sein?

    Die Technik in Flugzeugen ist hochkomplex und macht das Fliegen sicher. BILD hat einen Luftverkehrsexperten zur Software befragt.

Muilenburg wird vor allem eine kontroverse Aktion vorgeworfen: Als nach dem Boeing-Absturz in Äthiopien Länder weltweit Flugverbote erteilten, wandte sich der Boeing-Chef an US-Präsident Donald Trump.

In einem Telefonat soll Muilenburg versucht haben, Trump davon abzubringen, dass auch die USA ihren Luftraum für die 737-Max-8-Jets sperren. Der internationale Druck auf die US-Regierung war allerdings so groß, dass die Flieger vorerst nicht mehr starten dürfen.

Ihrer Empörung machten viele Nutzer in den sozialen Medien Luft. „Immer mehr Menschen erwarten, dass der Chef vortritt, Verantwortung übernimmt und erklärt, wie es weitergeht“, sagt PR-Professor Lawrence Parnell von der George Washington University zu Muilenburgs Taktik.

Mit seinem offenen Brief hat Muilenberg eine neue Strategie gewählt, will aktiv das Vertrauen von Airlines und Fluggästen zurückgewinnen. Die Boeing-Krise ist ihm nach Meinung der meisten Experten nur begrenzt zuzuschreiben.

Denn die Entscheidung, die in die Jahre gekommene 737 zu überarbeiten, statt sie durch eine neue Konstruktion zu ersetzen, traf Muilenburgs Vorgänger Jim McNerney in 2011. Eigentlich wollte McNerney mit diesem Schritt Kosten sparen – und traf damit möglicherweise eine verheerende Entscheidung.

Auch die US-Flugaufsicht (FAA) könnte eine Teilschuld treffen: Laut „Wall Street Journal“ untersucht das US-Verkehrsministerium seit dem Absturz im Oktober, ob die Behörde bei der Zulassung von MCAS geeignete Standards genutzt hat. Die Zeitung „Seattle Times“ berichtete, die FAA habe bei der Zulassung der 737 Max Fehler gemacht. Ein Sprecher von Boeing erklärte dagegen, die FAA habe auch das MCAS nach einschlägigen Anforderungen zertifiziert.

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