Weil er einen 18-Jährigen unsittlich berührt haben soll, muss Schauspieler Kevin Spacey sich vor Gericht verantworten. Der Richter zwang ihn zur Anwesenheit.

Schauspieler Kevin Spacey bei der Verlesung der Anklage wegen sexuellen Missbrauchs in Nantucket, Massachusetts am Montag.

Nach Vorwürfen sexueller Übergriffe darf sich der US-Schauspieler Kevin Spacey (59) einem angeblichen Opfer vorerst nicht mehr nähern. Spacey dürfe keinen „direkten oder indirekten Kontakt“ zu dem Mann aufnehmen, ordnete Richter Thomas Barrett am Montag bei einer Gerichtsanhörung auf der US-Insel Nantucket an. Der frühere „House of Cards“-Star Spacey, der über seine Anwälte zuvor schriftlich auf nicht schuldig plädiert hatte, nickte stumm und seine Anwälte stimmten zu.

Danach wurde die Anhörung nach nur rund sechs Minuten beendet und eine weitere für den 4. März angesetzt. Bei diesem nächsten Termin müsse Spacey nicht persönlich anwesend sein, aber für eventuelle Rückfragen beispielsweise per Telefon zur Verfügung stehen, ordnete Richter Barrett an.

Medienberichten zufolge hatte Spacey auch der ersten Anhörung am Montag fernbleiben wollen, Richter Barrett hatte sein Erscheinen aber angeordnet. Daraufhin war auf der kleinen Insel Nantucket im US-Bundesstaat Massachusetts, die im Sommer als schicker Ferienort gilt, ein riesiger Rummel ausgebrochen: Dutzende Journalisten drängelten sich vor und in dem kleinen Gerichtshaus. Live-Fernsehbilder zeigten außerdem einen landenden Privatjet und dann eine Limousine, die zum Gericht fuhr.

Spacey werden ein unsittlicher Angriff und Körperverletzung vorgeworfen. Er soll im Juli 2016 in einem Restaurant auf Nantucket einen damals 18 Jahre alten Mann betrunken gemacht und dann unsittlich berührt haben. Der Schauspieler, der in dunklem Anzug, gemusterter Krawatte und Hemd zu dem Termin erschienen war, verfolgte die Anhörung gemeinsam mit zwei Anwälten, erst stehend, dann wieder sitzend, weitestgehend ausdruckslos, manchmal mit einem verwunderten Lächeln im Gesicht. Am Ende bedankte er sich beim Richter.

Am 24.12. meldete Spacey sich mit einem Video zurück

Es ist der erste Fall, in dem Spacey ein Prozess droht. In einem Schreiben an Richter Barrett kündigte er an, dass er auf nicht schuldig plädieren will. Am 24. Dezember, dem Tag, an dem bekannt wurde, dass gegen ihn Anklage erhoben werden soll, postete Spacey auf YouTube ein seltsames Video, in dem er in die Haut von Frank Underwood schlüpft – seine Paraderolle in der Kult-Serie „House of Cards“.

In dem dreiminütigen Video scheint Spacey das Schicksal Underwoods mit den Vorwürfen gegen ihn zu vermengen: „Ihr würdet kein Urteil vorschnell fällen, ohne die Fakten zu kennen, oder?“, erklärte er und fuhr fort, dass natürlich einige Leute nur mit „angehaltenem Atem“ darauf warteten, dass er alle Behauptungen bestätige und versichere, er habe bekommen, was er verdiene. „Nur Du und ich wissen, dass es nie ganz so einfach ist, nicht in der Politik und nicht im Leben“, sagte Spacey.

Der zweifache Oscar-Preisträger gehörte lange Zeit zu den besten Schauspielern seiner Generation. Dann tauchten im Oktober 2017 erste Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen ihn auf, der eine ganze Reihe weiterer Anschuldigungen folgte. Neben dem Fall in Nantucket laufen derzeit noch Ermittlungen gegen ihn in Los Angeles und in London, wo er zwischen 2004 und 2015 künstlerischer Leiter des renommierten Old Vic-Theaters war.

Die Vorwürfe führten zu Spaceys Absturz. Unter anderem verlor er seine Hauptrolle in der Netflix-Serie „House of Cards“. Regisseur Ridley Scott ging so weit, ihn aus dem bereits abgedrehten Film „Alles Geld der Welt“ zu schneiden und im Eiltempo die Szenen mit dem Schauspieler Christoph Plummer nachzudrehen. (AFP)

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