Vor fast vier Jahren starben beim Absturz einer Germanwings-Maschine in den Alpen alle 150 Insassen. Die Hinterbliebenen wollen mehr Schmerzensgeld durchsetzen.

Arbeiter an der Absturzstelle des Germanwings Airbus A320 in Frankreich.

Hinterbliebene des Germanwings-Absturzes mit 150 Toten beziehen bei ihrer Klage auf höheres Schmerzensgeld jetzt auch den Lufthansa-Konzern direkt mit ein. Seit 2017 klagen fast 200 Angehörige von 42 Todesopfern am Landgericht Essen.

Die Klage richtete sich bislang gegen eine Flugschule der Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa in den USA, an der der Copilot der Unglücksmaschine ausgebildet wurde. Ende 2018 sei die Klage nun erweitert worden, wie Hinterbliebenen-Anwalt Elmar Giemulla sagte. Sie richte sich jetzt auch gegen die Deutsche Lufthansa AG. Am Montag bestätigte ein Gerichtssprecher den Eingang der Klageerweiterung. Der Westdeutsche Rundfunk hat darüber berichtet.

Der den Ermittlern zufolge psychisch kranke Copilot soll den Airbus am 24. März 2015 absichtlich gegen einen Berg in den französischen Alpen gesteuert haben. Alle 150 Menschen an Bord starben. Seine Ausbildung an der Flugschule hatte der Copilot wegen einer schweren Depression nur mit einer Sondergenehmigung beenden können. Die Kläger werfen der Flugschule Versäumnisse vor.

„Wir wollen die Lufthansa nicht vom Haken lassen“

Die Lufthansa hatte nach dem Unglück bereits Zahlungen geleistet. Diese sind nach Auffassung der klagenden Hinterbliebenen aber zu niedrig. Nach früheren Angaben der Fluggesellschaft erhielten nächste Angehörige pro Person 10.000 Euro Schmerzensgeld.

Nach Angaben des Berliner Anwalts Elmar Giemulla klagen die Angehörigen auf die Zahlung von weiteren 30.000 Euro. Für jedes Todesopfer haben die Angehörigen außerdem 25.000 Euro sogenanntes vererbbares Schmerzensgeld erhalten. Hier soll die Lufthansa weitere 25.000 Euro je Opfer zahlen.

„Wir wollen die Lufthansa nicht vom Haken lassen und haben sie als Beklagte hinzugefügt, bevor eine Verjährungsfrist am 1. Januar 2019 abgelaufen wäre“, sagte Giemulla. Die Frist beinhalte das Jahr der Katastrophe plus drei weitere Jahre. Die Lufthansa hat laut Giemulla einen Vergleich bislang abgelehnt.

Die Fluggesellschaft wollte sich auf Anfrage mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern.

Es soll aufgeklärt werden, an welcher Stelle der Pilot durchs Kontrollnetz fiel

Eine Schmerzensgeld-Klage war bereits 2016 in Arizona am Sitz der Flugschule „Airline Training Center Arizona“ (ATCA) eingereicht worden. Dort wurde sie zurückgewiesen mit dem Hinweis, sich an ein deutsches Gericht zu wenden. Wenn die deutsche Justiz ablehne, wollten sich die US-Richter den Fall noch einmal anschauen.

Giemulla verlangt nach eigenen Angaben von der Flugschule Akteneinsicht. Er will zudem in den USA Zeugen vernehmen, um Versäumnisse zu belegen. Das Gesamtanliegen der Hinterbliebenen sei neben dem Schmerzensgeld, dass aufgeklärt werde, „an welcher Stelle im Weltkonzern der psychisch kranke Copilot durch das Kontrollnetz gefallen ist“, sagte der Anwalt weiter. (dpa)

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