Aus ganz Europa reisten am Mittwoch Exil-Äthiopier nach Frankfurt. Sie kamen, um ihr Idol zu feiern: den jungen Reformer, Premierminister Abiy Ahmed.

Glücklich: Fans des äthiopischen Premierministers Abiy Ahmed in Frankfurt. Foto: epd

Der Himmel über der Stadt ist grau. Auf dem Platz vor der Liebfrauenkirche im Frankfurter Zentrum aber geht es sehr bunt zu. Männer schwenken grün-gelb-rote Flaggen – in den Nationalfarben Äthiopiens. Hunderte tanzen, jubeln und strecken zur Musik ihre Hände in die Luft. „Ethiopia, Ethiopia!“ singen sie den Refrain mit, der in der äthiopischen Landessprache Amharisch aus den Lautsprechern tönt.

Essen, Kaffee, Politik

Aus ganz Europa sind die Menschen angereist, rund 20 000 Exil-Äthiopier aus Schweden, Holland oder Deutschland. Mobilisiert haben äthiopische Kirchen und Vereine, vor allem über die sozialen Medien. Nach Frankfurt gekommen sind die Menschen, um ihren Helden live zu sehen – und ihn zu feiern: den 42 Jahre alten Abiy Ahmed Ali, der seit April Ministerpräsident Äthiopiens ist. Auf seiner viertägigen Europareise macht er am Mittwoch in der Commerzbank-Arena im Frankfurter Süden Halt. Der Auftritt wird zum Mega-Event. Die Tribünen im Stadion sind in Grün-Gelb-Rot getaucht, vor den Toren flanieren Frauen in traditionellen Gewändern und Goldschmuck vorbei. Äthiopische Speisen werden verkauft, es wird Weihrauch abgebrannt und natürlich: frisch gebrühter Kaffee angeboten, nach äthiopischer Art, aus dem Ursprungsland der braunen Bohnen.

Das alles wird jedoch zur Nebensache, als der Premier die Bühne betritt. „Abiy, Abiy“, rufen die Fans den Namen ihres Idols. Immer wieder brandet Applaus und ohrenbetäubender Jubel auf.

Abiy Ahmed Ali ist seit April äthiopischer Premier. Für viele ist er ein Hoffnungsträger – und wird bereits mit Obama und…

Hoffnungsträger Abyi Ahmed

Der Grund für die Begeisterung: Abiy Ahmed macht Äthiopiern auf der ganzen Welt Hoffnung. Der Premier reformiert das bislang autoritär regierte Land am Horn von Afrika in beeindruckendem Tempo. Tausende politische Häftlinge hat er freigelassen, einen Friedensprozess mit dem lange verfeindeten Nachbarn Eritrea angestoßen sowie sein Kabinett zur Hälfte mit Frauen besetzt. Jetzt will er die ethnischen Konflikte in seiner Heimat beenden. Die Botschaft sendet er auch in Frankfurt aus: „Haltet zusammen!“

Der Universitätsdozent Getie Gelaye ist mit einer Gruppe Landesleute extra aus Hamburg angereist. Er ist begeistert vom Frankfurter Auftritt des Premiers. Die Stimmung im Stadion fasst er so zusammen: „Wir sind sehr glücklich.“

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