Julia Görges verliert wie vor einem Jahr gegen US-Star Serena Williams, Jan-Lennard Struff zerstört seinen Schläger. Auch die beiden letzten deutschen Tennisprofis sind in einer aus deutscher Sicht trostlosen Wimbledon-Auflage ausgeschieden.

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London (dpa) – Was für eine Tennis-Tristesse! Ein Jahr nach dem Titel-Coup von Angelique Kerber findet das Achtelfinale von Wimbledon ohne deutsche Teilnehmer statt.

In der dritten Runde schieden im Südwesten Londons auch die beiden letzten Hoffnungsträger Julia Görges und Jan-Lennard Struff aus. Zuletzt hatte es 2015 beim berühmtesten Tennisturnier der Welt kein deutscher Teilnehmer in die zweite Woche geschafft.

Vorjahres-Halbfinalistin Görges missglückte die Revanche gegen US-Star Serena Williams. Die 30-Jährige aus Bad Oldesloe blieb gegen die 23-malige Grand-Slam-Turniersiegerin beim 3:6, 4:6 chancenlos. «Wenn sie ihren ersten Aufschlag serviert, bleiben nicht viele Optionen. Es ist ein Zeichen des Respekts mir gegenüber, wenn sie von Anfang an da ist», bilanzierte die Nummer 17 der Welt.

Der sonst so ruhige Sauerländer Struff zerstörte beim 3:6, 6:7 (5:7), 6:4, 5:7 gegen den Kasachen Michail Kukuschkin sogar einen seiner Tennisschläger und steigerte sich zu spät. «Ich bin sehr enttäuscht über das Match, das wird auch ein bisschen andauern», sagte er. Überschattet wurde die Partie von einem medizinischen Notfall auf der Tribüne. Der Außenplatz wurde geräumt, erst nach rund 70 Minuten ging es weiter. Eine 60 Jahre alte Frau sei erfolgreich wiederbelebt und ins Krankenhaus gebracht worden, teilten die Veranstalter mit.

Wenn das Rasenturnier am Montag mit allen Achtelfinals fortgesetzt wird, taucht von anfangs 14 deutschen Teilnehmern keiner mehr im Tableau auf. Vorjahressiegerin Kerber hatte sich blamiert und bereits in der zweiten Runde vom Ort ihres größten Triumphes verabschiedet, Alexander Zverev gleich zum Auftakt ein Debakel erlebt. Die Mitfavoriten Roger Federer, Rafael Nadal und Ashleigh Barty zogen vor dem spielfreien Sonntag dagegen problemlos in die Runde der besten 16 ein, in der auch die 15-jährige Cori Gauff eine Attraktion ist.

Die Weltranglisten-17. Görges blieb auch im fünften Vergleich mit der 37-jährigen Williams ohne Satzgewinn. Vor einem Jahr hatte die langjährige Branchenführerin der Bad Oldesloerin im Halbfinale den Weg ins deutsche Wimbledon-Endspiel gegen Kerber verbaut. «Ich fand das Match viel hochklassiger als im letzten Jahr», sagte die deutsche Nummer zwei: «Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit der Leistung in der anderen Hälfte des Tableaus noch dabei wäre.»

Bei bedecktem Himmel war der dominante Aufschlag der siebenmaligen Wimbledonsiegerin zu konstant. Die deutsche Nummer zwei bekam wenig Chancen, die junge Mutter in längere Ballwechsel zu verstricken. Die US-Amerikanerin will ihren 24. Titel bei den vier größten Turnieren feiern und mit Rekordhalterin Margaret Court aus Australien gleichziehen, hat in diesem Jahr aber verletzt oder krank wenig gespielt und sich in den ersten beiden Wimbledon-Runden gequält.

Doch Görges konnte sich keinen Breakball erarbeiten und musste selbst je einmal in beiden Sätzen ihren Aufschlag abgeben. Das Erreichen der Vorschlussrunde wie 2018 – ihr bestes Grand-Slam-Resultat – blieb außer Reichweite. Schon bei den French Open in Paris hatte von den deutschen Tennis-Damen zuletzt keine die dritte Runde überstanden.

Der Weltranglisten-33. Struff kam gegen Kukuschkin lange nicht so ins Spiel wie erhofft. Als auch der zweite Satz im Tiebreak gegen die Nummer 58 der Welt verloren ging, hämmerte der sonst so besonnene Warsteiner seinen Schläger gegen den Schuh, bis das Racket zu Bruch ging. Dann verließ er erst einmal Außenplatz 12 – und kam mit dem Gewinn des dritten Satzes wieder heran.

Die ungewohnte Unterbrechung wegen des Schockmoments auf der Tribüne kam für Struff beim Stand von 2:2 im vierten Satz und Breakball für ihn in einem ungünstigen Moment. Nach der Zwangspause gewann das Spiel an Qualität, doch der French-Open-Achtelfinalist ließ zu viele Breakchancen aus. Zum 4:3 sicherte sich Struff dann das Break, gab es aber direkt wieder her und verlor den umkämpften vierten Satz nach 86 Minuten. «Er hat sehr gut gespielt, unscheinbar. Die flachen Bälle waren echt unangenehm», analysierte Struff.

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