Sturmtief „Eberhard“ bringt Bahnverkehr zum Erliegen

Nach den heftigen Sturmböen am Sonntag wird sich die Lage im Bahnverkehr am Montagmorgen wohl erst allmählich normalisieren. Mit Verspätungen ist weiterhin zu rechnen. (Quelle: Reuters)

Sturmtief "Eberhard": Das stürmische Wetter hat am Wochenende für starke Einschränkungen im Zugverkehr gesorgt. (Quelle: Reuters)


Sturm „Eberhard“ wütet in Deutschland. In NRW erschlug ein entwurzelter Baum einen Autofahrer. Umstürzende Bäume schneiden ein Dorf in Thüringen ohne Strom von der Außenwelt ab.

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Auch am Montagmorgen könnte das Wetter in vielen Teilen Thüringens wieder für Probleme sorgen. So warnte der Deutsche Wetterdienst für den Kyffhäuserkreis und die Kreise Eichsfeld sowie Nordhausen vor heftigem Gewitter. Örtlich könne es Blitzschlag geben, Bäume entwurzelt oder Dächer beschädigt werden. In Mönchsberg im Landkreis Sonneberg sollten die Bewohner die Folgen von Sturmtief „Eberhard“ besonders zu spüren bekommen: 

Im ganzen Land hat „Eberhard“ unzählige Bäume zum Umstürzen gebracht – und in Thüringen damit ein Dorf von der Außenwelt abgeschnitten. Auf der einzigen Verbindungsstraße nach Föritztal-Mönchsberg (Landkreis Sonneberg) verhinderten am Sonntag mehrere quer liegende Bäume die Durchfahrt, wie die Polizei mitteilte. Als die Feuerwehr versuchte, diese zu beseitigen, stürzten weitere Bäume um, sodass die Arbeit aus Sicherheitsgründen vertagt wurde. Mehrere Mönchsberger, die nicht mehr nach Hause konnten, wurden von Feuerwehr oder Hilfsorganisationen untergebracht. „Der Großteil der Mönchsberger weiß vermutlich noch nicht einmal über den Umstand Bescheid, dass sie am Morgen nicht zur Arbeit fahren können“, hieß es in der Mitteilung der Polizei. Auch im Dorfinneren zeigte der Sturm seine Folgen: Im ganzen Dorf fiel am Sonntag der Strom aus.

Tausende Menschen saßen auch im Westerwald im Dunkeln. Bei insgesamt 147 Stationen der Energieversorgung Mittelrhein sei im Lauf des Wochenendes der Strom ausgefallen, teilte der Energiedienstleister am Montag mit. Mitarbeiter des Netzservices seien rund um die Uhr im Einsatz gewesen.

Stromausfall hat auch was romantisches. #Sturm #PasstAufEuchAuf pic.twitter.com/DAjA3cQm5r

— Sabine Bätzing (@Sabine_Baetzing) March 10, 2019

Mit Kerzenlicht behelfen musste sich auch die rheinland-pfälzische Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), die im Westerwald lebt. „Stromausfall hat auch was Romantisches“, schrieb sie am Sonntagabend auf Twitter über ein Foto einer brennenden Kerze.

Hunderte harren in defektem IC aus

Nach den heftigen Sturmböen am Sonntag wird sich die Lage im Bahnverkehr am Montagmorgen wohl erst allmählich normalisieren. Es werde „immer noch starke Einschränkungen“ sowohl im Fern- als auch im Regionalverkehr geben, sagte eine Bahnsprecherin am frühen Montagmorgen. Im Laufe des Tages solle aber der Fernverkehr in und aus dem Ruhrgebiet wieder rollen und auch der Regional- und S-Bahn-Verkehr in NRW wieder seinen Betrieb aufnehmen. Die Schnellfahrstrecke zwischen Köln und München sei wieder frei und könne eingeschränkt wieder befahren werden, hieß es weiter.

Weil etliche Bäume auf die Gleise geweht waren und für einen Stromausfall im wichtigen Stellwerk Essen gesorgt hatten, war der Zugverkehr in NRW am Sonntagnachmittag komplett gestoppt worden. Zahlreiche Reisende strandeten an den Bahnhöfen. In Städten wie Dortmund, Duisburg, Köln oder auch in Berlin hatte die Bahn Aufenthaltszüge bereitgestellt, in denen gestrandete Fahrgäste auch die Nacht verbringen konnten.

Stürmisches Wochenende

Die Tiefdruckgebiete „Dragi“ und „Eberhard“ hatten den Menschen in Deutschland fast flächendeckend ein stürmisches Wochenende beschert. Im Hochsauerlandkreis wurde ein Autofahrer von einem Baum erschlagen, der während der Fahrt auf sein Auto stürzte. In NRW brach der Bahnverkehr nahezu komplett zusammen. Vor allem dort wird es am Montag im Berufsverkehr wohl noch erhebliche Probleme geben.

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Auch an Flughäfen, etwa in Frankfurt am Main, kam es zu Dutzenden Ausfällen. Am Flughafen Köln/Bonn mussten einige Flugzeuge beim Anflug durchstarten. In der Nacht zum Montag erwartete der Deutsche Wetterdienst in Teilen von Norddeutschland bis ins Flachland Schneefall, der bereits am Sonntag lokal einsetzte.

„Eberhard“ fegte mit Windstärke 12 über NRW

„Eberhard“ traf am Sonntag zunächst NORDRHEIN-WESTFALEN. Für Teile des Bundeslandes hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) wegen der Gefahr orkanartiger Böen die zweithöchste Unwetterwarnstufe ausgegeben. „Eberhard“ fege teilweise mit Windstärke 12 über das Bundesland, hieß es. Bei solchen Windstärken könnten Bäume entwurzelt und Dachziegel durch die Luft geschleudert werden. Menschen sollten sich nicht im Freien aufhalten, mahnten die Meteorologen.

Orkanböen bis Windstärke 12: In Düsseldorf wehte „Eberhard“ einen Baum um, der auf drei parkende Autos fiel. (Quelle: David Young/dpa)

In dem Bundesland rückten Polizei und Feuerwehr am Wochenende zu Hunderten Einsätzen aus. Bei Aachen fielen an der A44 und A4 Äste auf die Fahrbahn. Auf der A40 hatte Sturm „Dragi“ schon am Samstag bei Bochum einen Baum auf die Fahrbahn geweht. Die Zoos und Tierparks in Dortmund, Wuppertal und Hamm sollten am Sonntag geschlossen bleiben. In Bochum und Dinslaken begruben Bäume geparkte Autos unter sich, in Bonn kippte ein Baum gegen ein Haus, im Münsterland deckten Sturmböen ein Hausdach ab.

In Bochum wurde eine Feuerwehrfrau von einem Baum getroffen und verletzt, in Köln mussten Einsatzkräfte eine eingeklemmte Person unter einem umgestürzten Baum befreien. In Solingen verletzte sich ein Feuerwehrmann, als er einen Baum kleinsägen wollte.

In Duisburg wurde am Sonntag ein tonnenschwerer Verladekran umgeweht und landete zur Hälfte im Rhein. Das Führerhaus sei glücklicherweise unbesetzt gewesen. Der Schiffsverkehr wurde um die Gefahrenstelle herumgeleitet.

Die Bahn hatte praktisch alle Züge in NRW am Sonntagnachmittag an den Bahnhöfen gestoppt. Zuvor waren zwei wichtige Stellwerke in Essen und Wuppertal ausgefallen, in Essen war der gesamte Bahnhof zeitweise ohne Strom. In weiten Teilen von NRW kämpfte die Feuerwehr mit umgestürzten Bäumen und abgedeckten Hausdächern.

Straße in Gelsenkirchen: Ein Auto fährt durch eine tiefe Pfütze, die sich durch Starkregen auf einer Straße gebildet hat. (Quelle: Caroline Seidel/dpa)

In RHEINLAND-PFALZ beschädigte das Unwetter die Stadthalle in Bitburg. Nach ersten Erkenntnissen sei das Dach der Halle am Sonntagmittag zumindest teilweise abgedeckt worden, sagte eine Polizeisprecherin. Die Feuerwehr habe die Halle abgesperrt, um Menschen vor herumfliegenden Teilen zu schützen. In Trier stürzte ein Baum auf ein Auto während der Fahrt. Der Fahrer sei unverletzt, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Hunderte Einsätze der Polizei meist wegen umgestürzter Bäume gab es auch in den anderen südlichen Bundesländern Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern. In Thüringen und vor allem Sachsen gab es die heftigsten Windgeschwindigkeiten erst in der Nacht.

Nahezu alle Nachtzüge, die die Österreichische Bundesbahn in Deutschland betreibt, wurden annulliert.

Auch in NIEDERSACHSEN und HESSEN waren Bahnstrecken und Straßen am Wochenende wegen umgestürzter Bäume gesperrt, wie die Polizei mitteilte. Bei Northeim wurde eine Kreisstraße gesperrt. In Frankfurt am Main stürzte eine 25 Meter hohe Fichte gegen ein Haus, verletzt wurde niemand.

Rund 400 Fahrgäste eines Intercity-Zuges mussten mehr als drei Stunden lang im nordhessischen Wabern ausharren. Wegen einer technischen Störung am Fahrzeug hatten die Passagiere am Sonntagabend auf einen Ersatzzug warten müssen, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn am Abend mitteilte. Weil umgestürzte Bäume die Schienen blockierten, kam der Ersatzzug aus Kassel erst gegen 21 Uhr dort an, wo der IC 2375, der von Westerland in Richtung Karlsruhe unterwegs war, gegen 17.30 Uhr gestrandet war. Man habe die Reisenden zwischenzeitlich mit Essen und Getränken versorgt, sagte die Sprecherin.

Die technische Störung an dem liegengebliebenen IC-Zug hatte nach Angaben der Bahn nichts mit dem Sturmtief zu tun. Nach dem Umstieg fuhr der Ersatzzug die planmäßige Route des IC nach Karlsruhe weiter.

Feuerwehreinsatz in Bochum: In vielen Regionen sorgte Sturmtief „Dragi“ für Probleme. (Quelle: Feuerwehr Bochum/dpa)

Für BADEN-WÜRTTEMBERG und Teile von BAYERN warnte der DWD insbesondere für den Sonntagnachmittag vor orkanartigen Böen mit Windgeschwindigkeiten im Flachland bis 110 Kilometern pro Stunde. Auf dem Feldberg wurden demnach sogar Geschwindigkeiten bis 150 Stundenkilometer gemessen. Im Schwarzwald stellten mehrere Skilifte den Betrieb ein, wie ein Sprecher der Liftbetreiber sagte.
 

  • Wettervorhersage:

 
In Stuttgart blies der Wind ein großes Blechteil von einem Dach. Es stürzte auf drei Autos. In Weil der Stadt drohte ein Baugerüst, vom Sturm umgerissen zu werden. Die Feuerwehr baute es vorsichtshalber ab. Stellenweise ging der Sturm mit heftigen Niederschlägen einher. Die Schneefallgrenze sollte mancherorts auf 400 Meter sinken. Für das Allgäu prognostizierte der DWD bis Montagmorgen Niederschläge von örtlich mehr als 50 Litern pro Quadratmeter.

Das Zweitliga-Spiel in Fürth wurde abgesagt, weil der dortige Sportpark nach Angaben der Deutschen Fußball Liga nur eine Betriebserlaubnis bis Windstärke 8 besitzt. Angesichts höherer Windgeschwindigkeiten wurde die Begegnung zum Schutz der Zuschauer und Spieler nicht ausgetragen.
 

  • Alle Insassen tot: 
  • Albtraum in der Luft: 
  • Empörung über US-Klinik: 

In SACHSEN beeinträchtigten Sturmböen und Gewitter den Verkehr am Samstag vor allem im Südwesten des Bundeslandes. In der Region Zwickau und im Vogtlandkreis stürzten Bäume und Verkehrsschilder um. Für Sonntagabend sagte der DWD erneut schwere Sturmböen oder sogar orkanartige Böen voraus. Auf dem Fichtelberg seien Windböen von bis zu 130 Kilometer pro Stunde möglich.

Der Bahnbetreiber Länderbahn teilte am Sonntag in Dresden mit, aus Sicherheitsgründen seien die Lokführer angewiesen, langsamer zu fahren. Je nach Gefährdungslage sei eine Einstellung des Verkehrs nicht ausgeschlossen, teilte die Länderbahn mit.

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