Ingrida Simonyte, Gitanas Nauseda: Im Rennen um die Präsidentschaft in Litauen wird es eine Stichwahl zwischen Simonyte und Nauseda geben. (Quelle: Mindaugas Kulbis/AP/dpa)

Bei der Abstimmung zur Präsidentschaftswahl setzte sich keiner der Kandidaten durch. Der amtierende Regierungschef Saulius Skvernelis war auch angetreten – kam aber nicht in die nächste Runde.

Die Präsidentenwahl im baltischen EU- und Nato-Land Litauen wird in einer Stichwahl in zwei Wochen entschieden. Nach Auszählung fast aller Wahlbezirke konnten der unabhängige Wirtschaftsexperte Gitanas Nauseda und die ehemalige Finanzministerin Ingrida Simonyte die meisten Stimmen auf sich vereinen. Beide verfehlten aber die absolute Mehrheit – und gehen nun am 26. Mai – parallel zur Europawahl – in ein Duell um das höchste Staatsamt in dem Ostseestaat. 

Nach Angaben der staatlichen Wahlkommission in Vilnius vom frühen Montagmorgen erhielt der 54-jährige Nauseda rund 31 Prozent, auf die von der konservativen Oppositionspartei nominierte Simonyte (44) entfielen gut 30 Prozent der Stimmen. Die beiden Ökonomen wurden damit ihrer Favoritenrolle  aus Umfragen vor der Wahl gerecht. 

Auf Rang drei folgte mit rund 20 Prozent der amtierende Regierungschef Saulius Skvernelis, der sein Amt mit dem Wahlausgang verknüpfte und für Juli seinen Rücktritt ankündigte. „Dass es mir nicht gelungen ist, in die Stichwahl einzuziehen, ist eine Bewertung von mir als Politiker“, sagte Skvernelis im litauischen Fernsehen. 

Nauseda bewertete das Ergebnis als Bestätigung seiner im Wahlkampf versprochenen Ziele – den Aufbau eines „Wohlfahrtsstaat“ und „mehr politischen Frieden“. Auch Simonyte will die soziale Ungleichheit in Litauen verringern und hofft in der Stichwahl auf Unterstützung von politischen Kräften mit übereinstimmenden Ansichten. 

Ministerpräsident tritt zurück

Skvernelis hatte zuvor am Wahlabend sein derzeitiges Amt mit dem Ausgang der Präsidentenwahl verknüpft. Sollte er nicht in die Stichwahl kommen, wollte er am 12. Juli als Ministerpräsident zurücktreten.

Insgesamt hatten sich neun Kandidaten um die Nachfolge von Dalia Grybauskaite im höchsten Staatsamt in dem Ostseeanrainer beworben. Wahlberechtigt waren knapp 2,5 Millionen Menschen. Die Beteiligung lag nach Angaben der Wahlkommission bei 56,5 Prozent.

Kommentatoren und Politologen sehen Nauseda bei der Stichwahl in der besseren Ausgangsposition, weil er eine breite Wählerbasis anspreche. Vieles hänge aber vom Wahlkampf und der Wahlbeteiligung ab. „Ein Schlüsselfaktor wird sein, was in den nächsten zwei Wochen passieren wird“, sagte Ramunas Vilpisauskas von der Universität Vilnius der Agentur BNS.

In Litauen hat das Staatsoberhaupt vorwiegend repräsentative Aufgaben, im Vergleich zum deutschen Bundespräsidenten aber weitergehende Kompetenzen in der Außen- und Verteidigungspolitik. Grybauskaite kann nach zwei fünfjährigen Amtszeiten verfassungsgemäß nicht mehr kandidieren.  

Zeitgleich mit der Präsidentenwahl wurden zwei Volksabstimmungen abgehalten. Die Einwohner des Ostseestaats stimmen darin über die Einführung einer doppelten Staatsbürgerschaft und die Verringerung der Abgeordnetenanzahl im litauischen Parlament ab.

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