Ein Panzerfahrzeug der US-Armee im Jemen (Symbolbild): Die Vereinigten Arabischen Emirate versorgen nach Angaben von Amnesty International Milizen im Kriegsland Jemen mit westlichen Waffen. (Quelle: imago)

Gewehre, Mörser und gepanzerte Fahrzeuge: Laut einem Amnesty-Bericht geraten westliche Waffen im Jemen in die Hände von Terroristen. Unter Verdacht steht ein enger Verbündeter der USA.

Die Vereinigten Arabischen Emirate versorgen nach Angaben von Amnesty International Milizen im Kriegsland Jemen mit westlichen Waffen. Über die Emirate gelangten „in großem Umfang Panzerfahrzeuge, Mörsersysteme, Gewehre, Pistolen und Maschinengewehre“ an diese Milizen, denen Kriegsverbrechen und andere schwere Menschenrechtsverstöße vorgeworfen würden, erklärte die Menschenrechtsorganisation unter Berufung auf eigene Recherchen. Ihr Erstarken sei „eine Katastrophe“ für die notleidende Zivilbevölkerung.

Seit Beginn des Konflikts im Jemen im Jahr 2015 lieferten westliche Staaten laut Amnesty Waffen im Wert von mindestens 3,5 Milliarden US-Dollar an die Emirate. Hierzu zählten Flugzeuge und Schiffe, aber auch leichte Waffen sowie Zubehör und Munition. Erst kürzlich hätten mehrere Länder wieder Rüstungsexporte in die Emirate genehmigt oder durchgeführt, darunter Deutschland, Frankreich, Brasilien, die Türkei und die USA.

Gefährliche Milizen

Amnesty International stieß nach eigenen Angaben bei einer Analyse öffentlich zugänglicher Informationen zu den Kämpfen in der jemenitischen Hafenstadt Hodeida darauf, dass Militärfahrzeuge und Waffen, die ursprünglich an die Emirate geliefert worden seien, mittlerweile von Milizen im Jemen genutzt würden. Zahlreiche aus den USA gelieferte Panzerfahrzeuge mit Maschinengewehren seien bei verschiedenen Milizen entdeckt worden.

Den bewaffneten Gruppen sei bereits in der Vergangenheit vorgeworfen worden, in Fälle des Verschwindenlassens und andere Menschenrechtsverstöße in Geheimgefängnissen verwickelt zu sein. Hierzu zählen laut Amnesty unter anderem Inhaftierungen mit vorgehaltener Waffe, Folter mit Elektroschocks, simuliertes Ertrinken, das Aufhängen an der Decke und sexualisierte Demütigung. Die Milizen, die diese Geheimgefängnisse kontrollierten, seien mit bulgarischen Gewehren und US-Panzerfahrzeugen ausgerüstet.

„Weitere Bedrohung“

Die USA und europäische Staaten würden „zu Recht“ für ihre Rüstungsexporte an die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition im Jemen kritisiert, sagte Amnesty-Experte Mathias John. Dem Iran werde vorgeworfen, die gegnerischen Huthi-Rebellen mit Waffen versorgt zu haben. „Doch mit immer mehr von den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgerüsteten Milizen ist eine weitere Bedrohung entstanden“, mahnte John. Amnesty fordere deshalb „alle Staaten auf, ihre Waffenlieferungen an alle im Jemen-Konflikt beteiligten Parteien einzustellen“.

Im Jemen herrscht seit 2015 Krieg zwischen den vom sunnitischen Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi und den schiitischen Huthi-Rebellen, hinter denen der Iran steht. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden in dem Konflikt bereits mehr als 10.000 Menschen getötet, unter ihnen tausende Zivilisten.

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