Achteineinhalb Jahre nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten hat das Duisburger Landgericht das Strafverfahren gegen sieben von zehn Angeklagten eingestellt. Für sie ist der Prozess ohne Strafen beendet.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein

Das gab das Gericht in Düsseldorf bekannt. Drei Angeklagte, die eine Geldauflage in Höhe von etwa 10.000 Euro hätten zahlen sollen, lehnten eine Einstellung ab. Sie wollen, dass im Prozess ihre Unschuld deutlich wird. Bei der Loveparade im Juli 2010 in Duisburg wurden in einem Gedränge 21 junge Menschen zu Tode gedrückt und mehr als 650 verletzt. Der Prozess hatte im Dezember 2017 begonnen.

Allen Angeklagten waren unter anderem fahrlässige Tötung und schwere Planungsfehler vorgeworfen worden. Das Gericht hatte Mitte Januar die Einstellung vorgeschlagen. Die individuelle Schuld der Angeklagten sei gering oder allenfalls als mittelschwer anzusehen. Neben Planungsfehlern sieht das Gericht ein kollektives Versagen vieler Personen am Veranstaltungstag als mitverantwortlich für das Unglück.

24. Juli 2010: Gedränge auf einem Zugangsweg zur Loveparade. Über eine Treppe werden einige Besucher aus der Menschenmasse gezogen….

… die gleiche Stelle heute, wo eine Gedenktafel an die Opfer der Duisburger Katastrophe erinnert

Mehrere Nebenklage-Anwälte hatten die Einstellung vorab kritisiert. Nach wie vor bestehe ein öffentliches Interesse an einer Aufklärung, argumentierten sie. Der Vater eines getöteten Loveparade-Besuchers hatte sich unmittelbar vor der Entscheidung des Gerichts noch gegen die Einstellung des Verfahrens gestemmt und dem Gericht Fehler vorgeworfen. Unter den sieben Beschuldigten, für die der Prozess nun endet, sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg sowie ein Mitarbeiter des Loveparade-Veranstalters Lopavent. Die drei Angeklagten, für die der Prozess weitergeht, waren ebenfalls bei Lopavent beschäftigt.

Die Staatsanwälte Jens Hartung (links) und Christian Seiffge

Als einen Grund für ihre Zustimmung zur Einstellung hatte die Staatsanwaltschaft den Umstand genannt, dass am 28. Juli 2020 die Verjährung eintritt. Das nach dem Gesetz für ein Urteil erforderliche Beweisprogramm könne bis dahin auch bei größter Anstrengung nicht absolviert werden. So müssten die meisten der im zentralen Sachverständigengutachten genannten 575 Zeugen noch vernommen werden. In den vergangenen 14 Monaten hat das Gericht 59 Zeugen und 8 Sachverständige vernommen. 

sti/cw (afp, dpa)


  • Endgültiges Aus für Loveparade-Prozess?

    Februar 2019

    Fast 100 Verhandlungstage dauert der Prozess um die Duisburger Loveparade bereits. Wegen des großen öffentlichen Interesses hatte das Landgericht Duisburg ihn am 8. Dezember 2017 im Kongresszentrum der Düsseldorfer Messe eröffnet. Doch nun hat das Gericht vorgeschlagen, das Verfahren einzustellen. Begründung: Die Katastrophe sei auf „kollektives Versagen in der Durchführungsphase“ zurückzuführen.


  • Endgültiges Aus für Loveparade-Prozess?

    5. Februar 2019

    Noch bis Dienstag können sich Staatsanwaltschaft und Angeklagte zur Einstellung des Verfahrens äußern. Ein Angeklagter hat bereits erklärt, dass er eine Einstellung ablehnt. Gegen ihn würde dann weiter verhandelt.


  • Endgültiges Aus für Loveparade-Prozess?

    24. Juli 2010

    Rückblick: Im Ein- und Ausgangsbereich zur Loveparade in Duisburg kommt es am 24. Juli 2010 zu einer Massenpanik. Im Gedränge sterben 21 Menschen. Die Opfer werden erdrückt oder niedergetrampelt. Hunderte weitere Besucher werden verletzt. Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen gegen Unbekannt auf – wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung.


  • Endgültiges Aus für Loveparade-Prozess?

    25. Juli 2010

    Auf einer Pressekonferenz äußern sich die Verantwortlichen zu dem Unglück. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU), Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller sowie der stellvertretende Duisburger Polizeipräsident Detlef von Schmeling (v. r.) weisen jegliche Verantwortung von sich.


  • Endgültiges Aus für Loveparade-Prozess?

    31. Juli 2010

    Zur Trauerfeier kommen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Bundespräsident Christian Wulff. Dagegen bleibt Oberbürgermeister Sauerland der Gedenkveranstaltung fern. Der Kommunalpolitiker steht im Zentrum der Kritik, da er nicht zurücktreten will.


  • Endgültiges Aus für Loveparade-Prozess?

    18. Januar 2011

    Die Staatsanwaltschaft Duisburg nimmt Ermittlungen gegen den damaligen Polizei-Einsatzleiter sowie gegen Mitarbeiter der Stadt und des Veranstalters Lopavent auf. Sauerland und Veranstalter Schaller gehören nicht zu den Beschuldigten.


  • Endgültiges Aus für Loveparade-Prozess?

    24. Juli 2011

    Auch am ersten Jahrestag des Loveparade-Unglücks ist die Frage nach der strafrechtlichen Verantwortung weiter ungeklärt. In Duisburg sammeln derweil Gegner Sauerlands Unterschriften für dessen Abwahl. Einen freiwilligen Amtsverzicht lehnt das Stadtoberhaupt weiter ab. Ein Jahr nach der Katastrophe haben nur Angehörige Zutritt zur Unglücksstelle.


  • Endgültiges Aus für Loveparade-Prozess?

    12. Februar 2012

    Ein von Sauerlands Kritikern durchgesetzter Bürgerentscheid endet mit der Abwahl des Oberbürgermeisters. Während der CDU-Politiker seinen Stuhl im Duisburger Rathaus räumen muss, ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter gegen 17 namentlich benannte Verdächtige.


  • Endgültiges Aus für Loveparade-Prozess?

    24. Juli 2013

    Am Unglücksort wird eine Gedenkstätte eröffnet. 21 Holzkreuze und eine Gedenktafel erinnern an die Opfer. In den Monaten danach wird die Gedenkstätte mehrfach verwüstet.


  • Endgültiges Aus für Loveparade-Prozess?

    10. Februar 2014

    Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat ihre Ermittlungen abgeschlossen und erhebt Anklage gegen sechs Mitarbeiter der Stadt und gegen vier Lopavent-Mitarbeiter. Der Vorwurf: fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung.


  • Endgültiges Aus für Loveparade-Prozess?

    5. April 2016

    Mehr als zwei Jahre nach der Anklageerhebung verkündet das Duisburger Landgericht: Die Anklage wird nicht zugelassen, die Eröffnung des Hauptverfahrens wird abgelehnt. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft könnten mit den vorgelegten Beweismitteln nicht bewiesen werden, eine Verurteilung der Angeklagten sei deshalb nicht zu erwarten. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger gehen in Berufung.


  • Endgültiges Aus für Loveparade-Prozess?

    24. April 2017

    Die Katastrophe wird nun doch in einem Strafprozess aufgearbeitet. Das hat das Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) angeordnet, nachdem Staatsanwalt und Nebenkläger Beschwerde gegen den Beschluss des Landgerichts Duisburg eingelegt hatten. Das OLG hält – im Gegensatz zum Landgericht – eine Verurteilung für hinreichend wahrscheinlich. Prozessbeginn ist am 8. Dezember 2017.


  • Endgültiges Aus für Loveparade-Prozess?

    5. Februar 2019

    Wird der Prozess nun endgültig eingestellt? Oder wird er zumindest gegen einen – oder mehrere – der Angeklagten fortgeführt? Viele Fragen wird der Prozess auch dann nicht klären. Dieses Graffiti an der Gedenkstätte der Katastrophe deutet an: Trauer und Zorn bleiben.

    Autorin/Autor: Christian Wolf, Kersten Knipp


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Check Also

Team Liquid gewinnt auch Blast Series Pro in Los Angeles

Los Angeles (dpa) – Unaufhaltsam hat sich Team Liquid bei der Blast Pro Series in Los Ange…